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Donnerstag, 15. August 2013

Ihr spendet- wir singen: Die Berber-Sticktechnik in Bildern

Bei unserem Treffen vor einigen Wochen (hier hatten wir darüber berichtet) zeigte uns Andrea Kolb von der Abury-Foundation nicht nur die fertigen Produkte und Probestücke, sondern erklärte uns auch, wie die traditionelle Berber-Sticktechnik funktioniert.

Die folgenden Fotos, auf denen der Stickmeister von Mohamed Smyej bei der Arbeit fotografiert wurde, hat uns die Abury-Foundation zur Verfügung gestellt.

Zunächst wird eine Art Prägestempel erstellt, mit welchem die auszustickenden Muster später auf das weiche Leder übertragen werden können.
Auf eine flexible Trägerplatte wird dafür eines der Muster aufgezeichnet, darüber Kleber verteilt:

Dem aufgezeichneten Muster akkurat folgend wird eine Schnur in die Kleberschicht eingelegt und angedrückt. So entsteht ein immer wieder verwendbares Präge-Model:

Das tolle weiche Leder für eine Tasche oder (wie hier) eine i-Pad-Hülle wird zugeschnitten: 

Die zuvor beklebte Präge-Platte wird nun mit der Schnurseite auf das Lederstück aufgelegt und das Muster mit Druck in das Leder eingeprägt:


Die Umrisslinie des Musters erscheint gut sichtbar auf dem Leder:


Das Lederstück wird nun in einem speziellen Werkzeug, einer Art Holzzange, zwischen den Knien eingeklemmt fixiert und das eingestanzte Muster ausgestickt.
Als Stickgarn wird die sogenannte Kaktusseide (eine Faser der Agave) verwendet, die einen seidenartigen leichten Schimmer hat.
Diese Fasern müssen während des Stickens ständig mit der fadenführenden Hand gleichmäßig in sich gedreht werden: 


Die Stickarbeit ist fertig und alles kann zu einem fertigen Stück zusammengenäht werden:



Man sieht den fertigen Produkten die Fingerfertigkeit und das handwerkliche Können an: Je gleichmäßiger gestickt und sorgfältiger das Garn gedreht wurde, umso schöner kommt das Muster zur Geltung.

Montag, 15. Juli 2013

Ihr spendet - wir singen: Stand der Aktion ein halbes Jahr danach

Ihr erinnert euch sicher an die Spendenaktion in der Adventszeit hier im Me-made-Mittwoch-Blog: Wir sammelten für die Ausbildung marokkanischer Berberfrauen als Stickerinnen und Näherinnen, mehr als 4000 Euro kamen Dank eurer Hilfe dabei zusammen. Nun, ein gutes halbes Jahr später, trafen wir uns in Berlin mit Andrea Kolb, der Gründerin der Abury-Foundation und ließen uns zeigen, was aus unseren Spenden geworden ist.
Mit solchen alten Berber-Ledertaschen fing einmal alles an
Heute stellen die Stickerinnen für Abury diese tradtionellen Taschen neu her
Seit diesem Frühjahr lernt dank unserer Spendengelder eine neue Gruppe von acht Frauen das Sticken und die Weiterverarbeitung des Leders. Es werden immer nur so viele Frauen ausgebildet, wie später auch in festen Arbeitsverhätlnissen mit Verträgen beschäftigt werden können.Die Frauen sind sehr unterschiedlich, zwischen 16 und 45 Jahre alt, viele haben Kinder und eigene Familien. Die Entscheidung, welche Frauen mit der Ausbildung beginnen dürfen, überließ Andrea der Dorfgemeinschaft. So ist dafür gesorgt, dass eine Auswahl zustande kommt, die von den Leuten vor Ort als gerecht angesehen wird.

Foto: Andrea Kolb

Mit Hilfe unserer Spenden wurde nicht nur diese neue Klasse eingerichtet, die Stiftung konnte zusätzlich auch einen sehr kompetenten professionellen Stick-Meister als Lehrer neu einstellen. Die Frauen akzeptieren ihn und sein Können. Somit kann er die Stickschülerinnen gut motivieren, auch wenn es darum geht, die hohen Qualitätsanforderungen zu erreichen.

Fotograf: Mohamed Smyej, mit freundlicher Genehmigung von abury.org
Jede der Schülerinnen bekommt zu Beginn der Ausbildung die gesamte Grundausstattung von der Abury-Foundation gestellt, wie z.B. einen Stuhl, Material und Werkzeug sowie das Holzteil, in das man das Leder zum Besticken einspannt. 

 Foto: Andrea Kolb

Andrea zeigte uns nicht nur die wunderschönen bestickten Taschen und Accessoires (die in echt noch viel schöner sind, als jedes Foto vermitteln könnte), sondern auch Probestücke der Schülerinnen, damit wir einen Vergleich zu den Taschen für den Verkauf haben und eine Vorstellung bekommen können für das große Können, das für die Herstellung dieser hochwertigen und sehr überzeugenden Produkte nötig ist.

Bei der Taschenklappe rechts wurde das Muster am Anfang nicht richtig übertragen - die Stickerin zeichnete sich die Umrisse deshalb einfach mit Kugelschreiber vor
Gut und nur fast gut: die obere Tasche geht in den Verkauf, die untere nicht

Man sieht daran gut, dass handwerkliche Perfektion und auch das Erkennen eigener Fehler erst das Ergebnis von viel Übung ist. (Wer von uns hat diese Erfahrung noch nicht gemacht?) Mal sind die Stickstiche nicht ganz gleichmäßig, zu weit voneinander entfernt oder zu eng beisammen, mal ist der Stickfaden – ein glänzendes Material, das in Marokko „Kaktusseide“ genannt wird – zu stark gedreht, mal werden die Konturen des Musters von der Stickerei nicht komplett abgedeckt. Über die Stickereitechnik gibt es hier demnächst noch einen gesonderten Post.

Die Rückseite der Probestücke: das Leder ist mit Jeansstoff verstärkt, und der Name der Stickerin steht darauf

Mit einer dreimonatigen Ausbildung, wie ursprünglich gedacht, ist es nicht getan, das stellte sich mittlerweile heraus. Die Schülerinnen brauchen ungefähr ein Jahr, bis die Stickereien ganz perfekt und gleichmäßig sind. Diese handwerkliche Qualität ist wiederum die Voraussetzung, dass die Sachen bei uns zu einem Preis verkauft werden können, mit dem die Arbeit der Stickerinnen auch wertgeschätzt wird. Eine Stickerin arbeitet ungefähr eine Woche an einer Tasche. Kleinere Produkte können in 3 Tagen hergestellt werden. Es geht in diesem Projekt nicht darum, Dinge herzustellen, denen man den "guten Zweck" ansehen kann und die man letztlich nur kauft, weil sie günstig sind und einen wohltätigen Zweck verfolgen, sondern umgekehrt: Die Taschen, Tablet- und Handyhüllen sollen so schön und hochwertig sein, dass die Käuferin sie gerne haben möchte. Dass damit eine Würdigung der Handarbeit sowie den Frauen im Süden Marokkos eine wirtschaftliche Perspektive geboten wird und gleichzeitig ein altes Berber-Handwerk, für das es kaum noch Nachfrage gab, bewahrt wird, kommt alles noch als Bonus obendrauf.


Wie ging und geht es nun weiter? Nach der dreimonatigen Ausbildung kamen "unsere" Stickschülerinnen jetzt in eine Art Fortgeschrittenenklasse, in der sie Ihre erlernten Fertigkeiten durch viel Übung vertiefen. Sie erhalten bereits ein Gehalt. Nach und nach bekommen sie dann feste Arbeitsverträge mit einer Art Sozialversicherung, wie die Absolventinnen der vorherigen Stickklasse auch. Sie verdienen dann umgerechnet 10 bis 15 Euro pro Tag bei einer Arbeitszeit von 4 Stunden täglich, und das in einer ländlichen Region Marokkos, in der es so gut wie keine Verdienstmöglichkeiten für Frauen gibt. Insgesamt fließen 50% der Erlöse des Verkaufs der Taschen zurück in die Region und werden dort zum Nutzen der gesamten Bewohner eingesetzt.
Im kommenden Frühjahr wird eine neue Anfängerinnenklasse mit 7-8 Teilnehmerinnen eingerichtet werden können.

Der Raum der Stickschule wird nachmittags als Schule genutzt, dort unterrichtet ein Lehrer Lesen und Schreiben. Diesen Alphabetisierungs-Unterricht können alle Frauen und Kinder des Ortes besuchen, nicht nur die Stickerinnen. So profitieren nicht nur die Frauen und ihre Familien von dem Projekt, die unmittelbar angestellt sind, sondern letztlich die ganze Region.
Fotos: Andrea Kolb

Wir danken euch nochmal sehr herzlich für eure Spenden und eure Unterstützung und sollen euch vor allem auch von Andrea herzliche Grüße und ein dickes Dankeschön übermitteln. Sie ist nach wie vor begeistert und gerührt von unserem Engagement und von dem, was die Gemeinschaft des Me-made-Mittwoch auf die Beine gestellt hat.

Samstag, 1. Dezember 2012

Eine Ausbildung zur Näherin in Marokko...


Bild von betterplace.org

...kostet "nur" 200€. Ganz ehrlich, wie viel gebt ihr für unser gemeinsames Hobby aus? Wir von der MMM Crew sicher mehr als diese 200€ pro Jahr!

Vor einiger Zeit wurden wir von betterplace.org angefragt, ob wir an der geplanten Blogger_innen-Weihnachts-Spendenaktion teilnehmen würden. Weihnachtszeit ist Spendenzeit und klar wissen wir, dass es doch eigentlich viel besser wäre, im ganzen Jahr über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen.
Wir haben uns trotdem dazu entschieden, mitzumachen: Die Organisation betterplace.org (über die wir uns natürlich schlau gemacht haben), die Kommunikation mit den Mitarbeiterinnen von betterplace.org und die Möglichkeit, selbst ein Spendenziel zu suchen haben uns überzeugt, gemeinsam zu einer Weihnachtsspendenaktion aufzurufen.

Wir wollen ein Projekt in Marokko unterstützen, in dem jungen Frauen zu Näherinnen ausgebildet werden, um sich und ihren Familien zu ernähren. Das sagt die Projektbeschreibung:

"Die Arbeitslosigkeit in Marokko ist gerade unter Frauen sehr hoch. Dies liegt zu einem guten Teil daran, dass sie von Kindesbeinen an keine gute (Aus-)Bildung genießen. Analphabetismus ist eines der größten Probleme in Marokko. Knapp 30 Prozent der über 15-Jährigen gelten offiziell als Analphabeten. Die Analphabetenquote ist auf dem Land deutlich höher als in den Städten, besonders betroffen sind Frauen und Mädchen. So können in den ländlichen Gebieten 74,5% der Frauen nicht lesen und schreiben (Stand 2004).

Lederbearbeitung war seit Jahrhunderten ein tragendes Handwerk in Marokko. In der Gegend in und um Marrakesh ist die Verarbeitung von Leder zu Handtaschen mit einer besonderen Art der Stickerei mit einer langen Tradition verbunden. Die maschinelle Massenproduktion hat das traditionelle Kunsthandwerk jedoch fast vollständig verdrängt. Die ABURY Foundation hat es sich zum Ziel gesetzt, die kulturelle Identität der Berber in Marokko zu erhalten und somit auch ihr kulturelles Kapital. In zwei Nähschulen fördert die ABURY Foundation das Erlernen der traditionellen Fertigungsweise von Lederprodukten - in 100 Prozent Handarbeit!

Mit Ihrer Spende ermöglichen Sie einer jungen Marrokanerin die Ausbildung zur Näherin. Sie spenden daher nicht nur Geld, sondern auch Anerkennung, Selbständigkeit und Unabhängigkeit. Die Frauen haben so die Möglichkeit eine fast verlorengegangene Tradition wiederzubeleben und auch für ihre Familie zu sorgen. Helfen Sie uns den jungen Frauen eine langfristige Perspektive zu bieten und sich und ihre Familie zu ernähren.

Mit nur 200,00€ ist die gesamte Ausbildung einer Näherin finanziert!

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an info@abury.org oder besuchen Sie www.abury.org."

Abury ist die Trägerorganisation der konkreten Maßnahme und ist als gemeinnützig anerkannt. Über betterplaceorg könnt ihr nachverfolgen, dass eure Spende vor Ort auch wirklich ankommt.Spenden geht ganz einfach, ihr klickt auf den Button links oben und könnt dann per Kreditkarte, Bankeinzug oder mit Paypal spenden. Auch kleine Beträge sind sehr willkommen!

Wir würden uns sehr freuen, wenn wir eine gemeinsame solidarische Spendenaktion zustandebekommen!

Unser Ziel haben wir nach harten Verhandlungen innerhalb der MMM Crew auf 1000€gesetzt. Damit können wir fünf Frauen eine Ausbildung finanzieren. Weit über 1000 Leserinnen lesen beim MMM mit - was, wenn jede nur einen Euro spenden würde? Über 100 Frauen verlinken sich beim MMM - was, wenn jede bis Weihnachten einmalig 10€ für die Frauen in Marokko spenden würde? Schaffen wir das?

Die Sache hat nur einen Haken, nämlich für uns, die MMM Crew. Betterplace.org zwingt uns, bei Erreichen des Spendenziels für euch online ein Weihnachtslied zu singen, das wir dann auf unseren Blogs veröffentlichen müssen.  Wir haben uns unter Protest in diese Bedingung gefügt und versprechen hiermit: Wenn wir unser Spendenziel bis Weihnachten erreichen, wird öffentlich gesungen, verlasst euch drauf!


P.S. Ihr findet die Aktion gut? Schreibt darüber in eurem Blog und bindet das Spendentool in eure Seite ein! Wie alle sind der MMM - diese Aktion kann unsere gemeinsame Aktion werden!

Quellcode für das Spenden-Widget für Blogger:

<iframe frameborder='0' marginheight='0' marginwidth='0' src='https://www.betterplace.org/de/groups/me-made-mittwoch-die-spendenaktion/widget' width='160' height='260' style='border: 0; padding:0; margin:0;'>Ihr Browser unterstützt keine Iframes. <a href='http://www.betterplace.org/projects'>Spendenaktion starten</a> auf betterplace.org</iframe>


Nachtrag am 2.12.:  Wow!!!!!!!!!!!!! Wir sind sehr gerührt und beeindruckt! Keine 24 Stunden später sind schon 5 Ausbildungen finanziert! Danke! Wir erhöhen das Ziel und unseren Einsatz...stay tuned, mehr dazu bald auf dem MMM Blog!