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Mittwoch, 6. Juni 2018

MeMadeMittwoch am 6.Juni.2018

Ich bin Wiebke vom verwaisten Blog Kreuzberger Nähte. Und ich merke gerade, wie sehr ich außer Übung bin, da ich schon so lange keinen Blogpost mehr geschrieben habe. Welch eine gute Gelegenheit also, mit einem Gastgeberpost hier wieder einzusteigen.
Seid herzlich Willkommen zur Juniausgabe des MMM.

Auch wenn ich in der letzten Zeit kaum zum Nähen komme, kann ich euch trotzdem etwas neues bzw. ein bislang unverbloggtes Kleid zeigen. Da die Temperaturen in Berlin gerade wieder nach unten gewandert sind, habe ich gestern ein Kleid getragen, das langärmelig ist. Luftig ist es dank der lockeren Weite und des leichten Baumwollstoffs trotzdem.
Und dank des Gummizugs in den Ärmeln kann man es den ganzen Tag mit sommerlich hochgeschoppten Ärmeln tragen.




Schluppen und alle Arten von Halsdeko faszinieren mich immer sehr (wie gerne würde ich so kleine spießige Stewardessen-Nickytücher tragen), aber sind einfach nichts für mich und meinen dicken Hals. Ich trage nicht einmal weite Rollkragen, schon als Kind waren mir Rollis und alles um den Hals gewickelte verhasst.

Deshalb war auch der Schnitt Stella von Named (hier) im Prinzip völlig indiskutabel für mich. Als ich aber im Herbst in Oudtshoorn in Südafrika diesen tollen Stoff mit dem 60ies-Muster-Touch entdeckte, musste ich seltsamerweise sofort an diesen Schnitt denken.


Den Stoff habe ich in einem tendenziell eher uninteressanten Stoffgeschäft gefunden. Dort gab es nicht wie erhofft tolle afrikanische Waxprints, sondern eher teure, langweilige Patchworkstoffe. Dieser Stoff war eine Ausnahme und lag preislich sogar auf Maybachuferniveau. Da er auch noch leicht genug für den Koffer war, kaufte ich mir als textiles Urlaubssouvenir tatsächlich 4 (VIER!) Meter. Also mehr als das Doppelte meiner sonstigen "handelsüblichen" Menge. Zum Glück. Denn wer aus Stoffknausrigkeit schon Belege ständig zusammenstückeln muss, kriegt die stofffressenden Schluppenteile ganz bestimmt nicht hin.

So sieht die Landschaft in Outdshoorn aus. Straußenfarmen und -federn überall
Während ich das Stoffmuster sehr passend zum Brechen der leichten Strenge des Schluppenkleides finde, eignet sich die weiche, leichte Baumwollqualität eher nicht so optimal. Eigentlich ist es sogar die denkbar ungünstigste Wahl. Schwerfallende dünne Stoffe, Viskose etc. wären hingegen ideal geeignet.

Lt. Anleitung wird das Kleid gefüttert. Das wäre bei diesem Stoff keine Option, er krabbelt auch an jeder Art Flutsch oder Futter hoch. Und bollert auch an nackten Beinen. Nichtsdestotrotz trug ich das Kleid im Winter gerne auch mit Strumpfhosen und Stiefeln.


Die gefühlt 4m lange Schluppe gefällt mir an mir, sowohl von der Optik her als auch beim Tragen. Nicht an jeden Tag, aber immer öfter.
Ein Versuch, das Kleid mit dem Blusenkragen und den -oberteilen des Schnittes zu kombinieren ist kläglich gescheitert.
Da habe ich wohl irgendwo einen schlimmen Denkfehler beim Zuschnitt gehabt, diesen aber erst bei der ersten Anprobe realisiert. Das halbfertige Stück liegt seitdem für Denksporttage auf dem UFO-stapel....
Auch die Idee, den Ausschnitt in ein leichtes V umzuwandeln, um die Schluppe etwas legerer tragen zu können, habe ich wieder verworfen. Gerade das Hochgeschlossene macht das Kleid so schön. Offen kann man die Schluppe auch nicht runterhängen lassen, da man dann fast drüber stolpert..
Also werde ich wohl nochmal genau diese Variante nähen, oder?
Der Schnitt näht sich nämlich problemlos zusammen und -tadaa der magische Satz- ich musste nichts ändern.


Und wie bzw. in welchen MeMadeKlamotten verbringt ihr die Tage gerade? Immer her mit euren Beiträgen und Fotos:


Mittwoch, 29. November 2017

Me Made Mittwoch am 29.11.2017

Hallo zusammen. Mein Name ist Wiebke vom Blog Kreuzberger Nähte.
Nicht nur mein Blog dümpelt vor sich hin, auch meine Nähzeit und -leidenschaft halten sich aktuell sehr in Grenzen.
Zum Glück fand vorletztes Wochenende das Kölner Nähbloggerinnentreffen statt. Das von Antje (machen statt kaufen), Bele,  Brigitte (Frau Overluck) und Susi (alle Wünsche werden wahr) so wunderbar organisierte Treffen gab mir wieder einen kleinen Nähmotivationsschub. Wie könnte so ein tolles Aufeinandertreffen mit anderen Nähbegeisterten auch anders wirken?
Dazu kam, dass ich beim Stoffmaterial-Ermitteln (ich sage nur "beleuchteter Fadenzähler" und "Brennprobe") und der Körpervermessung in einer Gruppe mit Luzie aka Mein wunderbarer Kleiderschrank war, die ein tolles (offenbar noch unverbloggtes) Kleid trug.
Und ich wußte sofort, dass ich den gleichen Stoff bzw einen Stoff mit dem gleichen Muster auch noch im Lager habe. Es ist das gleiche Muster, aber eine etwas andere Qualität.
Natürlich fiel mir auch sofort wieder ein, wofür ich diesen Stoff einstmals gekauft hatte (ich vermute im Karstadt in Darmstadt). Einen Knip-/ fashionstyle-Hemdblusenkleiderschnitt, den ich mir eigentlich unbedingt schon immer in dutzend Varianten nähen wollte. Wollte, wollte, wollte......

Also waren am Wochenende nach dem Wochenende Schnitt und Stoff fällig



Den Schnitt bzw. das Oberteil dieses Schnitts habe ich bereits einmal als Kleid und mehrfach als Bluse genäht. (verbloggte Modelle hier und hier). Immer aus Jersey.
Als Rockteil habe ich wieder den heißgeliebten Hollyburn verwendet. Der sitzt und passt, warum soll ich einen anderen Rockteilschnitt mühsam abkopieren?


Ich nähe eigentlich gern, noch lieber plane ich Nähprojekte und am allerliebsten kaufe ich Stoff.
Was mir das Nähen oft verleidet ist das ständige Anprobieren / Anpassen.
Ganz im Ernst, ich hasse jede einzelne Zwischendurchanprobe. Auf dem Weg zum Spiegel gehen jedesmal -ich höre sie auf den Boden fallen- etliche der Nadeln auf immer verloren. Beim Überziehen piekse ich mich. Und das An- und Ausziehen nervt in der kalten Jahreszeit sowieso. Ich weiß nicht, wie es euch geht. Ich mag das absolut nicht!
Ich habe dieses Kleid -trotz des bewährten Schnittes und der Verwendung von Winterjersey- mindestens 10-mal während des Nähen anprobieren müssen.
1. Erste Motivationsanprobe, wenn VT und RT aneindergenäht sind. Da bekomme ich einen ersten Eindruck, wie das spätere Kleidungsstück eventuell aussehen wird. Je nachdem bin ich ich danach super motiviert oder mache mir erstmal lieber einen Kaffee....
2. Bei mir sind immer Anpassungen an der Armkugel nötig. Bzw. macht es Sinn, deren Sitz immer zu überprüfen. Weil schief bin ich auch.
3. Oberteil einschl. Kragen ist fertig. Dann wird die Weite des Oberteil an der Seitennaht abgesteckt.
4./5./6. Kommt die -bei diesem Stoffmuster ganz besonders- aufwändige Festlegung der richtigen Lage für das Taillenband. Je nach Stoffqualität muss ich dieses höher oder tiefer ansetzen. Außerdem benötigt mein Hohlkreuz einen Bogen, der auf dem Schnitt nicht vorgesehen ist und der auch je nach Stoffqualität unterschiedlich ausgeprägt sein muss.
Eine Anprobe reicht hier nie. Und wenn zu viele Nadeln verloren gegangen sind, muss eine der Anproben sogar oftmals nochmal wiederholt werden.
7. Ich hefte das Taillenband mit einem großen Maschinenstich an. Erneute Anprobe bevor ich das Taillenband an Oberteil und das Rockteil mit der Overlock annähe. (und überschüssiges Material dabei abgeschnitten wird)
Das Kleid ist nun schon "fast fertig".
8. Nun wird anprobiert, um die Lage des Orientierungsknopfloches zu markieren. Das ist für mich immer das Knopfloch, bis zu dem ich ein Kleidungsstück gewöhnlich zuknöpfe. Also bei mir ungefähr auf Höhe des Brustpunktes oder leicht darüber. An diesem Knopfloch orientieren sich dann alle anderen Knopflöcher.

Bei den Jerseykleidern bzw. -blusen nähe ich keine Knopflöcher, sondern nur einen Knopf durch beide Seitenteile hindurch an
9. Letzte Anprobe, um den Saum abzupüstern. Nach Umstecken und Bügeln desselben sollte ich vor dem Annähen eigentlich nochmal per Anprobe probeweise die Saumlinie kontrollieren. Aber dazu habe ich dann meistens keine Lust mehr. Säume sehen bei mir sowieso immer schief aus (auf den Fotos auf jeden Fall)

Dieser Stoff hat einen leichten Glanz. Kleidung aus glänzenden Stoffen muss noch besser sitzen als matte Kleidung. Also können aus Erfahrung leicht nochmal 30% mehr Anproben dazu kommen.
Das Stoffmuster ist etwas tückisch, es hat eine Richtung und Linien und Rhomben mit Spitzen, an denen man sehen kann, wenn sie nicht richtig aufeinandertreffen (yeah, das sind genau die Tücken, die ich beim Patchwork so liebe), kommen also eventuell nochmal 20% mehr Anproben hinzu, um passgenaues Muster mit "passgenauer" Körperform abzugleichen. Bzw beides etwas miteinanderauszugleichen.



Das Taillenband habe ich wie immer mit einem Jersey mit höherer Stabilität gedoppelt, dann kann nichts ausleiern.
Die Blende habe ich -anders als im Originalschnitt- angeschnitten und nach innen eingeschlagen, so dass die Stoffrückseite am Ausschnitt nicht sichtbar ist.




Und was habt ihr genäht und angepasst? Ich bin gespannt und freue mich auf eure Beiträge.

Kurzer Hinweis: Bitte passt auf, das ihr die richtige Linkliste erwischt. Es läuft paralell auch noch die Verlinkung zum Weihnachtskleid-Sew-Along

Mittwoch, 14. Juni 2017

MeMadeMittwoch am 14.6.2017

Hallo ihr Lieben, ich bin Wiebke vom Blog Kreuzberger Nähte und darf heute eure Gastgeberin sein. 

Immer wieder stelle ich fest, dass ich mir viel zu selten unifarbene (oder ist das Wort jetzt doppelt gemoppelt und heißt einfach nur uni?) Kleidung nähe. Ich kaufe auch viel zu selten einfarbigen Stoff, Der Griff zu einem schönen Muster ist beim nicht zielgerichteten Stoffkauf irgendwie immer viel spannender. Auch bin ich bei einem schönen Muster bzgl. der Stoffqualität eindeutig toleranter. Wie geht es euch damit? Habt ihr genügend einfarbigen Stoff im Lager?
Habt ihr eine bestimmte Stoffqualität eines Anbieters, die ihr euch immer dann kauft, wenn ihr was Einfarbiges wollt oder braucht? 


Am vorletzten Wochenende habe ich mir endlich mal wieder ein einfarbig schwarzes Kleid genäht. Aber ganz farb- und musterlos finde ich es nicht;




Denn der matte Baunwollstoff ist mit in Kreisen aufgestickten Bändern verziert. Ich vermute, dass ich diesen Stoff vor einiger Zeit mal beim Überhangverkauf des Berliner Labels Thatchers gekauft. habe (welcher aktuell leider nicht mehr stattfindet). Ganz sicher bin ich mir, dass ich daraus ein Annadress (by Hand London) nähen wollte.
Da ich dann den Annaschnitt doch nicht ganz so optimal in der Passform für mich fand, blieb der Stoff liegen.
Bis ich von Wolleliese an den altbekannten, aber etwas in Vergessenheit geratenen Schnitt "Vintage Shirt Dress" von Sew over erinnert wurde. Danke! Ich hatte den Schnitt vor zwei Jahren schon zweimal genäht, einmal in der ärmellosen Variante (hier) und einmal mit den Ärmeln (hier).  Wie konnte ich den Schnitt nur vergessen? 


An dem Schnitt hatte mir besonders gefallen, dass für die ärmellose Variante eine andere Schulternahtlinie als für die Ärmelvariante vorgesehen ist. Dadurch schmiegt sich das Ärmelloch toll und ist nicht so offenherzig.



Da sich beim Anpassen der beiden ersten Kleider die Abnäher aus Ober- und Unterteil immer etwas versetzt haben und am Ende deshalb nicht mehr schön direkt übereinander saßen, habe ich dieses Mal zuerst die Taillennaht geschlossen und erst ganz am Ende den Abnäher -bzw die eingenähte Falte. Bei der Gelegenheit habe ich diese Abnäherfalte auch gleich etwas mehr zur Mitte gerückt, so sitzt dieser unterhalb meines Brustpunktes 
Ausserdem habe ich -tadaa- Taschen eingebaut. Die Eingriffslinie habe ich an das aufgestickte Muster angepasst.

Erkennt man, wie meine Hand in diese Tasche greift?

Das Oberteil wird leicht angekräuselt und ist dadurch etwas blusig
Die Knödelknöpfe.
Passende Knöpfe vom Crellemarkt hatte ich zufällig auch noch im Lager. Leider nur 5 Stück. Aber da der Stoff nicht flatterig ist, reichten 2 Knöpfe am Rockteil aus, um den Rock nicht aufklaffen zu lassen. Die sonntägliche Radtour durch Kreuzberg, bei der die Fotos entstanden, überstand das Kleid verschlossen. Falls sich das aber doch noch als Ärgernis heraustellen sollte, kann ich ja den Rock unterhalb der Knöpfe immer noch mit ein paar Handstichen an den Blenden zusammennähen.




Und jetzt seid ihr dran. Ob Uni oder Muster, Nichtfarbe oder Bunt- alles ist erlaubt, Hauptsache MeMade.




Mittwoch, 22. März 2017

Me made Mittwoch am 22.3.2017

Ich bin Wiebke vom Blog Kreuzberger Nähte und begrüße euch alle ganz herzlich zum ersten (kalendarischen) Frühlings-MMM... und das ausgerechnet in einem Herbstkleid.



Obwohl Orange, Gelb und Türkis auch im Frühling in der Natur vorkommen (schaut euch den sonnigen Ostseestrand auf meinen Beweisfotos an), sind bei meinem Stoff alle Farben herbstlich abgemildert. Und dann auch noch Karos. Ich befürchte, diese Art Karos sind einfach Herbst. Besonders wenn sie auf so einem Boucléartigen Stoff, daherkommen. So locker und leicht er eigentlich ist, wirkt er von außen betrachtet eher wollig.


Aber ist nicht nach der Saison vor der Saison? Und darf/soll ich als Herbsttyp nicht sowieso auch ganzjährig Herbstfarben tragen? Außerdem habe ich auch ein selbstgenadeltes, farblich bestens passendes Frühlingsjäckchen (vom FJKA 2014)...


Aber hey - genug der Rechtfertigungsversuche. Letztlich kam es mit diesem Kleid so:
Einst kaufte ich den Karostoff, um daraus das Burdakleid mit den raffinierten Abnähern im VT zu nähen. (Modell 117 Burda 11/2006)


Diese gekreuzte Teilungsnaht in Kombination mit Karos schien mir eine tolle Idee. Aber ein unbestimmtes Gefühl hielt mich damals von der Umsetzung ab. Nicht nur musste ich an diesem Kleid (hier), als ich es 2011 aus unifarbenem Stoff nähte, unendlich viel anpassen, auch dass das Stoffmusterkaro nicht symmetrisch ist, fiel mir erst nach dem Kauf zuhause auf. Es kam wie es oft bei mir kommt, der Stoff blieb jahrelang liegen und schichtete sich in meinen Stapeln immer weiter nach unten.
Im Gegensatz zu manch anderem Stoffschätzchen blieb er mir aber immer im Gedächtnis, so dass ich ihn in diesem Winter ganz gezielt wieder heraussuchte. Denn plötzlich fand ich die Idee spannend, herauszufinden, ob ich durch die Kleiderschnittanpassung der letzten Jahre genug Erfahrung gesammelt haben würde, um diesen Schnitt jetzt gezielter und besser angepasst zu bekommen. Und sogar gleichzeitig der zusätzlichen Musterherausforderung gewachsen wäre.

Ich schnitt die Oberteile zu, das Vorderteil nach dem ersten Zusammenstecken gleich noch einmal mit einem etwas gedrehten Fadenlauf und merkte, dass das mit dem Karos, dem Schnitt und mir so nix werden würde.
Zwei Varianten Karo ungeschckt zu verwenden
Frustriert, lustlos und schon reichlich müde holte ich ein anderes, bereits abkopiertes vorderes Oberteil von Burda raus (Modell 121 Burda 11/2012), das bei der Erstvernähung (link) trotz stundenlanger Anpasserei auch nur zu einem unbefriedigenden Passformergebnis geführt hatte.


Und plötzlich und völlig unerwartet wurde aus Minus plus Minus ein dickes Plus. Die beiden Teile passten auf Anhieb super aufeinander und OHNE ANPASSUNG an mich. Völlig unbegreiflich, so etwas kannste dir nicht ausrechnen.
Ich dachte, so etwas passiert nur den Glücklichen, die einen Grundschnitt haben.

Meine an diesem Abend schon eingeschlafene Näheuphorie kam zurück. Ich probierte sofort und erfolgreich das Ansetzen eines in Falten gelegten Rechtecks als Rockteil. Bis ich im mitternächtlichen Dämmer dann das zweite Rockteil aus Versehen gegen den Fadenlauf zuschnitt. Kann bei Karo im Halbschlaf ja mal passieren. Ich aber war so genervt, dass ich das Ganze zur Seite und mich schlafen legen musste. Während ich am nächsten Tag wieder aufstand, blieb das Kleidfragment viele Wochen liegen. Bis ich letztes Wochenende in wunderbarster Gesellschaft 3 Tage im Schatten einer imposanten sächsischen Burg nähen durfte.
Die gefühlt letzte Gelegenheit. Hätte ich das Kleid jetzt nicht fertig gestellt, wäre es damit garantiert nie mehr was geworden. Und so habe ich nicht nur schon mein erstes Herbstkleid 2017, sondern auch noch ein Kleidungsstück mit ganz vielen eingenähten Erinnerungen. Denn dank der wohlwollenden Nähgesellschaft nähte ich geduldig ein unsichtbar zusammengesetztes rückwärtiges Rockteil, einen störrischen Reißverschluss ein und auch noch einen Gürtel zum Kleid.
Nähen macht glücklich. Und in toller Begleitung noch glücklicher!


Und deshalb trage und zeige ich euch heute dieses Herbstkleid im Frühling.

Karopassung am Rückteil

Karopassung am Vorderteil

Ich denke, wir werden hier heute bestimmt viel Frühlingshaftes zu sehen bekommen. Und auch viele Tragefotos, die endlich wieder im Freien aufgenommen werden konnten. Ich bin so froh, dass die Jahreszeit der dunklen Zimmerfotos erst einmal wieder vorbei ist.

Bevor ihr euch jetzt verlinkt, möchte ich euch noch einmal kurz auf unseren letzten MMM-Team-Post "So geht es weiter" hinweisen. Alles bleibt gut, manches wird für uns einfach etwas besser strukturiert.


Mittwoch, 14. Dezember 2016

Me Made Mittwoch am 14.12.2016

Hallo und herzlich Willkommen zur heutigen MeMade Mittwochsrunde. Ich bin Wiebke und blogge sonst auf dem Blog Kreuzberger Nähte.

Das Bekenntnis zu Webstoff oder Jersey scheint die Nähcommunity in zwei große Lager zu teilen. Nur ein Bruchteil von uns näht und trägt beides gleichermaßen gern, oder?
Während man als Klamottenkäuferin natürlich nehmen muss, was der Markt im Angebot hat, stehen uns Nähnerdinnen zur Entfaltung der persönlichen Lieblingsmaterialfrage ganz andere Möglichkeiten offen. Für uns macht die Frage "Webstoff oder Jersey" absolut Sinn.

Ich bin "Jersey". Ganz eindeutig sind meine liebsten und am meisten getragenen Klamotten bzw. Oberteile aus Jersey. Maximal aus elastischem Webstoff. Ich mag die Bequemlichkeit und das Nicht-bügeln-müssen. Ich kann meine Jerseykleider übereinandergestapelt im Schrank (oder auf der "chairdrobe", also dem Stuhl davor) lagern und brauche sie nicht auf Bügel zu hängen. Das Reisetasche packen geht einfach und schnell. Das mag ich alles sehr.
Ich kann aber auch nachvollziehen, was an stabilem Webstoff schön ist. Wie er ganz anders umhüllt, viel angezogener rüberkommt, die Trägerin zu mehr Haltung animiert, etwas Beschützendes vermittelt. (Hab ich was vergessen bzw nicht erkannt?) Bisweilen, aber eher selten, mag ich das auch.

Bei Röcken und Hosen ist Webstoff für mich problemlos, aber obenrum werde ich "eigen". Denn was nützt mir die schönste Klamotte, wenn ich meine Arme nicht frei und spontan genug bewegen kann. Wenn ich vor oder nach jeder Armhebung daran denken muss, das Kleid oder Oberteil erst durch eine Art Vorbereitungsbewegung anders und danach wieder neu zu richten. Ganz zu schweigen von solchen Ärmeln, die im Falle einer Armvorwärtsbewegung sowieso gleich jegliche Blutzufuhr unterbinden. Das kann im Ernst niemand schön finden oder überhaupt freiwillig ertragen,  sonstiges Tragegefühl hin oder her.
Und so denke ich manchmal. dass es bei der Frage nach Web- oder Jerseystoff vielleicht gar nicht um eine Haltung bei der Angezogenheit, sondern vielleicht um unterschiedliche Körpertypen geht. Gibt es vielleicht Menschen, die einen anderen Bewegungshebel an Armen oder Schulter haben als andere? 
Trotzdem ich also obenrum lieber Jersey haben mag, will ich nicht immer nur T-shirts tragen. Eine richtige Bluse mit Kragen macht manchmal eben einfach ein bißchen mehr her.



Seit ich nach verschiedenen, aber nie bis zur Serienreife vorgedrungenen Modellversuchen vor kurzem eine Jerseyluse nach einem Knip-Kleiderschnittoberteil nähte (hier gezeigt) bin ich geradezu euphorisch besessen von der Idee, mich endlich mit solchen Jerseyblusen einzunähendecken.


Und heute zeige ich euch mein bislang liebstes Modell aus einem vor Monaten genau zum Zweck einer solchen Bluse gekauften Jersey von Westfalenstoffe (gibt es noch immer ziemlich günstig hier). Zusammen mit einem schwarzen Hollyburn (hier).
Mit dem Blumenstraußjersey hätte das auch alles sehr albern werden können, da war ich im Vorfeld etwas unsicher. Aber das Ergebnis finde ich für mich einfach großartig.


Hier kommen jetzt ein paar Details:
Der Schnitt ist aus der Knip bzw Fashion Style, der bei mir fast ohne Änderungen auf Anhieb gut passte.

Ich vermeide bei Jersey gerne potentielle Gefahrennähte. Und verzichte deshalb u.a. auch möglichst komplett auf Knopflöcher. Manchmal gelingen die Löcher, wenn das Jersey-Nähglück hold ist. Aber es kann eben auch in großen Katastrophen in der Endphase eines Projektes enden.
Da die Bluse elastisch ist, habe ich die Knöpfe wieder einfach nur aufgenäht. Und ziehe die Bluse einfach wie ein T-Shirt an.



Die vordere Blende habe ich angeschnitten und verbreitert. Da das Revers ja immer offen bleibt, ist das weiße Innere dann nicht sichtbar.


Habt ihr brav bis zum Ende gelesen? War viel Text heute, ich weiß.
Aber jetzt seid ihr dran. Webstoff oder Jersey? Welche Materialträume habt ihr euch erfüllt und zeigt sie uns heute?


Mittwoch, 27. Juli 2016

Me made Mittwoch am 27.7.2016 Spezial: Ich packe meinen Koffer

Ich bin Wiebke vom Blog "Kreuzberger Nähte" und seit gestern an der Atlanitkküste im wohlverdienten Urlaub. Hier und heute darf euch also gutgelaunt als Gastgeberin beim letzten MMM vor der Sommerpause zeigen, was ich an Selbstgemachtem in meinen Urlaubskoffer gepackt habe.

Grundsätzlich finde ich Kofferpacken blöd. Mich vorher entscheiden müssen, was ich in den kommenden Urlaubstagen anziehen möchte, mag ich nicht. Eine ausgewogene Auswahl zu treffen zwischen den Sachen, die ich ganz bestimmt anziehen werde und denen, die ich zu Hause nicht, aber vielleicht im Urlaub endlich mal anziehen könnte, fällt mir schwer. Unnötigen oder gar unpraktischen Ballast im Koffer mag ich noch viel weniger. Und mich in andere Temperaturen und Luftfeuchtegrade als die gerade aktuellen einzudenken ist ebenfalls nie leicht.

So habe ich -neben einigen sich bereits im letzten Jahr bewährten Teilen- mir ein paar neu genähte Jerseykleider eingepackt, die ich euch hier vorstellen möchte.

Mein Renner im letztjährigen Sommerurlaub waren einige Tiramisu-Kleider (Cake patterns), deshalb habe ich mir demletzt in weiser, extrem urlaubsreifer Vorraussicht zwei Maxivarianten genäht. Mit dem Hintergedanken, dass ich diese nach dem Urlaub auch auf meine übliche Kniellänge kürzen könnte, falls sich Maxi doch nicht so richtig bewähren sollte. Insgeheim werde ich den Eindruck nicht los, dass Maxi große Menschen größer und kleine Menschen kleiner erscheinen lässt. Man wird sehen....

Das lange Schwarze durfte mich demletzt schon auf eine sommerlich heiße Party mit Abendkleiddresscode begleiten. (Es gab dort zugegebenermaßen festlichere Kleider) Dort konnte ich die Länge des Maxirocks und die Höhe des Schlitzes schon auf Tauglichkeit testen.  Die Ausschnittlinie habe ich wegen der Party bei diesem Kleid etwas tiefer als üblich gezogen.
 Das Rockteil ist insgesamt schmaler, da ich nur begrenzt Stoff zur Verfügung hatte.

Ein paar cm länger, also praktisch mehr oder weniger bodenlang sähen zwar bedeutend souveräner aus, sind aber für mich definitiv zu unpraktisch.
Diese Knöchellänge kann ich auch barfuss tragen ohne die Straße zu fegen. Und durch den Schlitz bei Bedarf alles auch auf Knielänge hochknoten.
Schlicht schwarz ist zum Glück immer ein Kombiwunder. Geht auch strandtauglich mit FlipFlops.

Das Blumenkleid ist leider unfreiwillig noch einen kleinen Tick kürzer. Aber mehr gab das vorhandene Material (Viscosejersey vom Wochenmarkt in HH-Altona) einfach nicht her.....


Ich hatte schon den Versuch unternommen, unten -passend zu den Ausschniottblenden- einen schmalen schwarzen Saumstreifen anzusetzen. Das sah aber wider Erwarten eher merkwürdig aus.
 
Ganz sicher der Urlaubshit wird das folgende Hängerchen. Trotz der halblangen Ärmel ist es extrem luftig. Und -noch viel besser- es macht extrem gute Laune. Hab ich im Alltag schon ausprobiert.

Der Schnitt für dieses Kleid ist das Robe Folk von Vanessa Pouzet, welches in meiner Wahrnehmung von Frau Bunte Kleider entdeckt und schon rauf- und runtergenäht wurde (z.B. hier). Ich hatte vor ein paar Wochen aus Probestoff eine Webstoffvariante probiert, das gefiel mir an mir eher nicht. 

Der Webstoff beulte ungünstig am Rücken. Deshalb bin ich froh, dass ich den lange gestreichelten Riesenpunkte-Viskosejersey nicht umsonst zerschnitten habe, denn -wie erhofft- fällt der Jersey hinten schön locker und ohne Beule.

Ganz neu in meinem Koffer sind auch 2 selbstgenähte Bikinis. tadaa- jaja . 

Der schwarz-weiße Stoff liegt und mahnt hier schon seit Jahren, den petrolfarbenen mit den Skimotiven (!!)  hat Frau Alle Wünsche werden wahr demletzt auf dem Maybachufermarkt geborgen und mir dankenswerterweise einen halben Meter davon abgegeben.

Ausschlaggebend für diese beiden Bikinis war der geniale Schnitt für die Hose. Frau Rehgeschwister hatte dieses kostenlose Schnittmuster demletzt gezeigt.und ich mich dadurch animiert, ihn einfach mal auszuprobieren. Der Hipster von makeBra saß bei mir einfach sofort auf Anhieb. (Fällt m.E. tendenziell groß aus, also wie ich die NZG weglassen)).  Hachja, wenn Näherfolge nur immer so einfach wären.....
Das Oberteil ist "Saint Tropez" von sewy. Ebenfalls ganz großes Nähkino.

Genug von mir. Wer was, warum und wo im Koffer hat, dürft ihr jetzt hier nach dem Sommerpausenhinweis zeigen.

Der MMM geht mit diesem Spezial in die Sommerpause. Was auch immer ihr vorhabt, geniesst den Sommer. Wir sehen uns hoffentlich alle gesund, erholt und voller Tatendrang am Mittwoch, den 7.9. wieder.