Heute geht es los mit dem Sommer-Rock-Sew Along, heute kümmern wir uns um Schnitte und Materialien - viel Inspiration gibt es automatisch dazu. Wir -
Meike und
Lucy - begleiten euch bis Ende Juni in
vier Terminen zum Sommerrock. Schreibt einen Blogpost mit euren Ideen und Wünschen. Vielleicht habt ihr schon einen ganz bestimmten Schnitt, den ihr unbedingt nähen wollt, vielleicht habt ihr aber auch nur einen bestimmten Rock im Sinn, für den noch der passende Schnitt fehlt oder aber ihr habt gleich mehrere Schnitte zur Auswahl und könnt euch nicht entscheiden?
Ich,
Meike, kann mich auch immer so schwer entscheiden. Gerade Röcke kann frau ja eigentlich gar nicht genug haben. Aber es gibt ja solche und solche und wahrscheinlich gibt es doch "den einen", der für euch in der aktuellen Lebenssituation doch der Beste ist. Damit es leichter fällt, sich zu entscheiden, habe ich mir ein paar Fragen überlegt:
- Zu welchen Anlässen wollt ihr den Rock tragen?
- Wollt ihr mit dem Rock Fahrrad fahren?
- Gibt es ein Oberteil, das nur auf einen passenden Rock wartet?
- Gibt es eine begrenzte Stoffmenge, weil ihr einen Stoff aus dem Lager nehmen wollt?
Na, wird euer Bild vom Rock schon konkreter? Falls das immer noch nicht der Fall sein sollte, ihr euch aber kaum bremsen könnt, den Traumstoff fürs Traumröckchen schon jetzt zu kaufen, ein kleiner Anhaltspunkt für die Stoffmenge:
- für einen engen Rock braucht ihr "1x die Länge", d.h. ihr messt von Taille bis Rocksaum und addiert noch etwas für einen umgeschlagenen Saum und den Bund.
- für einen ausgestellten Rock in A-Form, braucht ihr in der Regel "1,5x die Länge", weil die Rockteile unten breiter sind und versetzt aufgelegt werden müssen
- für einen weiten Rock braucht ihr meist "2x die Länge"
Und wie sieht es mit euren Materialvorstellungen aus? Da übergebe ich mal an die kompetente Frau Nahtzugabe.
Die Wahl der richtigen Stoffqualität trägt viel zum Erfolg oder Misserfolg eines Nähprojekts bei, ich glaube ich (
Lucy) habe schon mehr Projekte durch die falsche Stoffwahl in den Sand gesetzt, als durch alle anderen möglichen Ursachen (falsche Größe, nicht zu mir passende Schnittform Nähfehler...) zusammen. Leider lernt man das Beurteilen von Stoffen am besten aus Erfahrung, und wenn man gerade erst anfängt, Kleidungsstücke für sich selbst zu nähen, sind Stoffempfehlungen wie bei Burda, wenn in der Anleitung wie so oft nur "Rockstoffe" als Empfehlung steht, nicht besonders hilfreich.
Die Grobeinteilung von Stoffen in "Stoffe mit Stand" und "fließende Stoffe" ist aber ein guter Anhaltspunkt, ich habe mal versucht, das im Bild zu zeigen:
Links ein fließender Stoff, dünner Viskosekrepp, rechts ein Stoff mit Stand, mitteldicke gewebte Baumwolle. Die Stoffstücke haben ungefähr die gleiche Größe - man erkennt gut, dass der Viskosekrepp von seinem eigenen Gewicht ziemlich gerade nach unten gezogen wird und oben, wo er zusammengefasst an der Klammer hängt, kaum aufträgt. Beim Baumwollstoff fallen die Falten nicht so sehr in sich zusammen, der Stoff hat insgesamt viel mehr Volumen.
Fließende Stoffe sind zum Beispiel so gut wie alle gewebten dünnen Viskosestoffe, Kreppstoffe egal aus welchem Material (Viskose, Wolle, Poly und Mischungen), dünner Twill ist fließend, Jersey ist tendenziell auch eher fließend. Wenn ihr einen Rock nähen wollt, der weit und leicht schwingt, aber trotzdem schmal um den Körper fällt, dann ist das euer Stoff. Fließende Stoffe sind gut für Schnitte mit eingekräuselten Teilen an der Taille, für Schnitte mit Godets (eingesetzten Keilen, durch die der Rock am Saum ganz weit wird), für weite Bahnenröcke und für Maxiröcke - eigentlich immer, wenn man es mit einer großen Stoffmenge zu tun hat.
Stoffe mit Stand sind zum Beispiel die typischen Quiltstoffe - gewebte mitteldicke Baumwolle mit schönen Mustern - Jeansstoffe, Baumwollköper, Leinen, Cord. Das ist das richtige für gerade, enge Röcke, für Röcke mit Falten und für leicht ausgestellte Rockschnitte (A-Linie), immer wenn der Rock richtig Substanz haben soll. Röcke aus Stoffen mit Stand sind robuster und Schnittdetails wie eingesetzte oder aufgesetzte Taschen, abgesetzte Passen, Falten und ähnliches kommen gut zur Geltung.
Bei manchen Schnitten habt ihr die Wahl, sie können aus fließenden und steifen Stoffen genäht werden und wirken dabei jedesmal anders. Tellerröcke aus fließenden Stoffen schwingen sehr schön und fallen glatt um die Beine, wenn sie nicht in Bewegung sind. Aus Stoffen mit Stand fällt so ein Tellerrock hingegen in großzügigen Wellen und wird zum Saum hin deutlich breiter, weil der Stoff nicht in sich zusammenfällt, eben die typische Silhouette, die man aus den 50er Jahren kennt.
Wenn ihr unsicher seid, wofür ein Stoff geeignet sein könnte, dann wickelt ein Stück von der Rolle ab und haltet es probehalber wie einen Rock vor euch, dann kann man meistens ganz gut abschätzen, wie sich der Stoff in vernähter Form verhalten wird: Schmiegt er sich an den Körper an oder steht er ab? Legt ein Stück probehalber mit der Hand in Falten oder Kräusel und überlegt, ob ihr die Stoffmasse so in der Nähe der Taille haben wolltet. Wenn ihr materialmäßig noch gar nicht wisst, was ihr sucht, dann kann es sich lohnen, in Bekleidungsgeschäften spionieren zu gehen, nach Röcken zu suchen, die in etwa eurer Vorstellung entsprechen, die Stoffe anzufassen und sich die Dicke und den Fall einzuprägen. Ich mache es mir einfach und plane etwas vollkommen Durchschnittliches: Einen
mittelweiten Rock aus einem Stoff mit etwas Stand nach einem Schnitt aus Burda 3/2016.
Und ich, Meike? Ich habe auch schon einen Rock im Kopf und einen Stoff dazu.
Die Geschichte dazu gibts auf meinem Blog. Ich habe noch keinen Schnitt dafür und ich bin auch noch nicht sicher, ob mir der gehortete Stoff vielleicht doch zu
zerknittert durchsichtig ist, aber ich habe fest vor, daraus einen Rock zu nähen. Vielleicht finde ich bei euch dazu noch Inspiration für die Umsetzung?
Na wie schaut es bei euch aus? Habt ihr schon konkrete Pläne? Wenn ja, dann zeigt uns Schnitt und Stoff, denn wir sind schon neugierig. Oder seid ihr noch am Überlegen? Dann lasst uns an euren Überlegungen teilhaben. Wir sind sicher: auch für euch gibt es den perfekten Rock.
(Beim nächsten Mal (12. 6.) gibt es ein Tutorial von Sybille für einen anfängertauglichen Rock und die Möglichkeit, sich hier zu verlinken, um von Modell- und Stoffentscheidungen, Fortschritten und Problemen zu berichten und Hilfe zu bekommen.)