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Mittwoch, 15. Februar 2017

MeMadeMittwoch am 15. Februar 2017

Hallo in die Runde, liebe Selbernäherinnen, ich blogge als Lucy auf nahtzugabe.blogspot.com und bin heute das letzte Mal eure Gastgeberin hier beim MeMadeMittwoch. Dass ich es für diesen Post trotz bester Absichten nicht geschafft habe, etwas Neues zu nähen, zeigt eigentlich am besten, warum ich als MMM-Teammitglied heute meinen Abschied nehme: Ich bringe die Verpflichtungen, die mit dem MMM verbunden sind, zeitlich nicht mehr so richtig in meinem Leben unter und kann mich für den MMM nicht so engagieren, wie ich es gerne hätte und wie es nötig wäre. Wer schon mal freiberuflich oder als Selbständige gearbeitet hat, wird das kennen: Wenn es gut läuft, ist das natürlich großartig, aber Wochenenden wie andere Menschen kann man vergessen.


Für den heutigen Mittwoch ist mein Mangel an Neugenähtem aber sogar pädagogisch wertvoll, denn wir wissen ja alle: Beim MeMadeMittwoch geht es nicht darum, jedes Mal etwas Neues zu zeigen, sondern darum, die selbstgemachte Kleidung im Alltag tatsächlich zu tragen und zu erproben, ob sie den Anforderungen des Alltags gewachsen ist.

Den Wintermantel aus sehr dickem, schweren Wollstoff (Schnitt 107 Burdastyle 10/2011, gebloggt hier) trage ich zum Beispiel nicht jedes Jahr – aber ich bin sehr froh, dass ich ihn bei Bedarf hervorholen kann, wenn die Tagestemperaturen dauerhaft ein paar Grade unter Null liegen, wie gerade jetzt. Das Tuch (askews me von westknits, noch nicht verbloggt), die Mütze nach der kostenlosen Anleitung Brambles und die Handschuhe aus Sockenwolle (Knotty gloves, Anleitung auch auf Deutsch) sind auch selbstgemacht.


Darunter trage ich eine Strickjacke aus Alpacagarn, die erst vor kurzer Zeit fertiggeworden ist, ein simples, zusammengerattertes langärmeliges T-Shirt und einen Pseudo-Wickelrock aus Wollstoff (Schnitt 108 aus Burdastyle 8/2013), dessen Konstruktion ich schon wenig überzeugend fand, als ich ihn gerade frisch fertiggenäht hatte.

Es hat sich seither bewahrheitet, dass das Design im Grunde überhaupt nicht funktioniert - die kurze Naht, die die Rockteile vorne verbindet, steht beim Bewegen sehr unter Spannung und der überflüssige teilbare Reißverschluss hat eine Tendenz, sich von unten her zu öffnen, so dass ich die Stelle vorsichtshalber mit einer Sicherheitsnadel zusammenhefte. Also kurz gesgt: eine schnittechnische Katastrophe und im Alltagstauglichkeitstest voll durchgefallen, aber ich ziehe den Rock trotzdem an, weil ich den Stoff sehr mag. Man kann sich bei Nähen eben nicht immer aussuchen, was ein Lieblingsteil wird.


Um die Zukunft des MeMadeMittwoch müsst ihr euch keine Sorgen machen, der ist bei Claudia, Dodo, Nina, Sybille, Katharina und Wiebke in guten Händen, und auch ich bin ja nicht wirklich weg: Ich blogge weiterhin als Nahtzugabe, werde natürlich weiterhin am MeMadeMittwoch teilnehmen, wenn es etwas Interessantes zu zeigen gibt - vorausgesetzt ich komme außerhalb von Nähtreffen überhaupt nochmal zum Nähen - und auf Papier werdet ihr mich wie bisher auch ab und an lesen können.

Also ahoj, ihr Lieben, wir lesen uns! Und nun bin ich gespannt auf die selbstgemachte Kleidung, die heute im Alltag von euch getragen wird:


Mittwoch, 19. Oktober 2016

MeMadeMittwoch am 19. Oktober

Willkommen zum MeMadeMittwoch am 19. Oktober. In Berlin ist es nun schon ziemlich kalt geworden, und das bedeutet für mich (Nahtzugabe) in erster Linie den Beginn der Stricksachensaison. Ich gehöre zu den Leuten, die sogar in der Wohnung gerne gestrickte Schals tragen - manche können das ja gar nicht haben und sind von jedem Tuch um den Hals genervt, ich könnte hingegen von Kopf bis Fuß Gestricktes tragen und würde mich sehr wohlfühlen.  


Meine selbstgemachte Kleidung ist daher auch sehr stricklastig. Die Jacke entstand nach eigener Idee aus drops Baby Merino, zum Teil verstrickt mit einem Faden Kid Silk in schwarz, in echt eher dunkelgrau. Ich habe bei dieser Jacke das erste Mal mithilfe der Anleitung von Frauenoberbekleidung die Ärmel direkt eingestrickt. Die Passform um die Schultern herum ist mir nur mäßig gelungen - das Armloch ist im Grunde etwas zu groß, daher sind die Ärmel oben zunächst ziemlich weit.  


Die leichten Michelinmännchenrollen an den Armen sind ein interessanter Effekt, den ich im echten Leben - und auf dem Detailfoto oben - nicht so stark beobachte. Das muss ein Zusammenspiel von hellerem Farbton, Flauschigkeit und auch einer gewissen Unregelmäßigkeit des Gestrickten sein, das sich da austobt. Die doppelfädig mit Merino und Kid Silk gestrickten Flauschstreifen sind schon einen Tick dicker als die glatten Streifen, aber nach dem Spannen hatten sich die Unterschiede eigentlich ganz gut ausgeglichen, dachte ich. Trotzdem trage ich die Jacke gerne und sehe die Unregelmäßigkeiten entspannt: trotz Maschenproben und allem ist das Endergebnis bei Stricksachen für mich nicht so berechenbar wie bei Genähtem, aber mit dem Ergebnis kann ich meistens ganz gut leben.


Der Schal (drops Alpaca Silk in dunkelblau und ein Rest weiße Merinowolle) ist diagonal kraus rechts gestrickt nach einer kostenlosen Anleitung von Purl Soho. Das ist ein tolles Schalrezept, das sich sehr gut zum Verstricken von Resten eignet und mit allen möglichen Farben und Wollqualitäten abgewandelt werden kann. Besonders clever: Die Garnenden werden größtenteils gleich eingestrickt, so dass zum Schluss nicht mehr viele Fäden vernäht werden müssen.

Den Rock kennt ihr vielleicht schon aus dem Sommerrock-Sewalong: Es ist Schnitt Nummer 101 aus Burdastyle 3/2016, der mit Unterrock auch im Herbst funktioniert.

Und nun bin ich gespannt, was bei euch heute angesagt ist: Genähtes, Gestricktes, Gehäkeltes?


Sonntag, 19. Juni 2016

Let's Rock, der Sommer-Rock-Sew-Along: Details, Details, Details


Hallo und herzlich willkommen zum dritten Treffen unseres Sommer-Rock-Sew-Alongs. Wir freuen uns sehr, dass die Idee, einen Sommerrock zu nähen so gut bei euch ankommt und sind gespannt auf eure Fortschritte!

Das heutige Thema sind Details. Ich, Meike, finde das ja gerade das Tolle am Nähen, dass ich es in der Hand habe, Details an Kleidungsstücke beliebig anzufügen oder wegzulassen. Ich denke da an vergessene Mantelaufhänger oder Ratz-Fatz-Röcke ohne Taschen. Die viel interessanteren Details sind aber diejenigen, die genau zu unserem Leben und unseren Bedürfnissen passen und die wir auch an Schnittmuster anfügen können, obwohl sie dafür gar nicht vorgesehen sind. Das prägnanteste Beispiel sind für mich: Taschen.

Bei Taschen gibt es die eine und die andere Fraktion: die einen sagen "kein Kleidungsstück ohne Taschen, wohin sonst mit Taschentuch, Schlüssel und Telefon" und die anderen sagen "Taschen? Wenn dann ohne Funktion, denn das trägt sonst viel zu viel auf" und vielleicht gibt es auch noch die dritte Fraktion, die das ganz einfach nach Lust und Laune handhabt. Ganz viel zum Thema "Taschen an Kleidungsstücken haben wir schon 2012 im Taschen-Monat-September zusammengetragen.

Rocktaschen können ein Designmerkmal sein und deswegen in ganz vielen Formen vorliegen. Die typischsten habe ich jetzt mal für euch zusammengestellt:


Nahttaschen
Diese Taschen werden in den Seitennähten eingefügt. Sie haben eine runde, abfallende Form, die zur Größe der Hand passt und immer nach unten zeigt, damit nichts herauskullert. Solche Taschen kennt eigentlich jede. Sie sind einfach zu nähen und wenn ihr einem Schnitt solche Taschen zufügen wollt, könnt ihr das Taschenschnittmuster problemlos von einem anderen Schnitt nehmen. Und wenn frau den Trick beherzigt, die Nahtzugabe auf den Taschenbeutel zu nähen, dann quillt auch nach ordentlichem Bügeln kein Wulst aus der Seitennaht.


Aufgesetzte Taschen
Aufgesetzte Taschen sind nichts anderes als ein verstürztes Stoffstück, das U-förmig angenäht wird, damit ein Beutel mit Eingriff ensteht. Verstürzen heißt nichts anderes, als dass zwei Stoffe (das, was als Tasche zu sehen sein soll und ein Taschenfutter) rechts auf rechts bis auf eine kleine Wendeöffnung zusammen genäht werden. Solche aufgesetzten Taschen sind oft rund oder eckig mit einer zurückgeklappten Ecke, so wie bei Sybilles Tutorial von letzter Woche.


Taschen mit Eingriff von oben
Diese Taschen kennt ihr z.B. von Jeans. Sie haben einen Eingriff von oben und und es gibt für den Taschenbeutel nur ein Schnittteil, das gleichzeitig ein Teil des Bundes ist bzw. oben am Bund angenäht wird. Manchmal werden solche Taschen mit kontrastierendem Stoff genäht, so dass überhalb des Eingriffs und in der Tasche ein anderer Stoff ist, als der Rest des Rockes. Die Tascheneingriffe kann frau zur Stabilisierung und/oder Verzierung mit Schrägband einfassen.


Taschen im Bahnenrock
Bahnenröcke habe ich viele (z.B. dieser Rock) und alle haben diese Taschenvariante, die mir mal eine Freundin zeigte. Um solche Taschen zu konstruieren, überlegt ihr euch, in welcher Höhe der Tascheneingriff sein soll und teilt das Schnitteil horizontal an dieser Stelle. Dann überlegt ihr euch, wie tief die Taschen sein soll und schneidet ein oberes neues Bahnenteil zu, das die Fläche oberhalb der Tasche sowie den Taschenbeutel bildet. Beide Teilbahnen werden an den Seiten verbunden, wenn die Bahnen aneinandergefügt werden und am unteren Ende der Tasche mit einer Naht geschlossen. Den Eingriff könnt ihr umklappen und feststecken oder mit Schrägband versäubern.

Das wäre es von meiner Seite aus zum Thema Taschen. Ich übergebe an Lucy, die sich mit Säumen beschäftigt.

Wie oft habe ich, Lucy, beim Nähen eines Rockes oder Kleides schon vorfreudig und voreilig gedacht: "Nur noch der Saum, dann ist es fertig!" Fast genauso oft, wie ich den Saum dann zwei- oder dreimal nähen musste, weil der Stoff seltsam abstand oder beulte, meistens weil die gewählte Saumart nicht richtig zum Stoff und zum Schnitt passte. Ich habe heute daher ein paar Beispiele für verschiedene Saumarten zusammengestellt.

Breiter, gerader Saum, zweimal eingeschlagen

Saum zweimal eingeschlagen, Blindstich - Klick aufs Foto zeigt es größer an
Wenn die Saumlinie gerade ist, kann der Saum gut 4 cm breit sein, durch den breiten Umschlag fällt der Rock schön. Bei dünnerem Stoff, so wie hier bei bedruckter Viskose, aber auch bei dünnen, nicht steifen Wollstoffen, bügelt man erst den Saumumschlag um, dann kann man die Saumzugabe oben auch noch einmal knapp einschlagen (etwa 1 cm) und den Saum entweder am Einschlag entlang feststeppen oder fast unsichtbar mit Blindstich per Hand annähen.

Beim Blindstich erfasst man auf der Rockseite immer nur einen Gewebefaden mit der Nadel, während man in die Saumseite großzügiger einstechen und den Faden ein Stück in der umgeklappten Kante mitlaufen lassen kann. Man sticht also quasi im Zickzack zwischen Saumumschlag und Rock hin- und her. Ein kurzes Video des Blindstichs findet ihr in diesem Beitrag bei Ella Mara. Es ist völlig in Ordnung, wenn man die Stiche auf der Außenseite des Rockes als eine Reihe kleiner Punkte sehen kann - solange sie gleichmäßig sind und man den Faden nicht zu stark anzieht, sieht das ordentllich aus. 

Breiter, gerader Saum, einmal eingeschlagen

Versäuberter Saum, Blindstich - Klick aufs Bild zeigt es größer an
Sobald der Stoff etwas dicker und steifer ist und sich womöglich noch schlecht bügeln lässt, ist es ungünstig, den Stoff zweimal umzuschlagen - der Saum wird wulstig und zeichnet sich gerne mal auf der Außenseite ab. Dann versäubert man am besten die Kante des Saumumschlags mit einer beliebigen Methode und näht dann knapp neben der Versäuberung den Blindstich. Ella näht im verlinkten Video oben ebenfalls einen einfach umgeschlagenen Saum an.

Gebogener Saum mit Schrägband oder Spitze, außen unsichtbar

Schmaler Saum mit Spitze oder Schrägband - Klick aufs Bild zeigt es größer an
Sobald die Saumlinie gebogen ist, kommt man mit breiten Saumumschlägen in die Bredouille: Der Umschlag wird zur Schnittkante hin breiter, der Rock nach oben enger - das resultiert in einem Stoffüberschuss, der sich beim Annähen nicht wirklich elegant unterbringen lässt. Gebogene Säume sollten deshalb schmaler sein,  etwa 1,5 cm Einschlag reicht.

Besonders einfach und schön ist es, den Saum mit Spitze oder Schrägband zu verarbeiten: Schmale Spitzenborte mit Geradstich auf die rechte Seite des Rocksaums steppen, Spitze so nach innen klappen, dass sie von außen nicht mehr zu sehen ist, und mit Blindstich von Hand annähen. Oder schmales, vorgefaltetes Schrägband rechts auf rechts in der Saumlinie ansteppen, nach innen klappen und von Hand gegensäumen.

Mit Schrägband eingefasster Saum

Saum mit Schrägband eingefasst - Klick aufs Bild zeigt es größer an
Einen zusätzlichen Farbakzent kann man mit einem mit Schrägband eingefassten Saum setzen -  ich habe natürlich nur ein Beispielbild schwarz mit schwarz. Entweder vorgefaltetes Schrägband rechts auf rechts auf den Rock steppen, um die Kante legen und die zweite Tour innen mit der Hand unsichtbar festnähen, oder zuerst auf der linken Seite ansteppen, nach außen umklappen und die zweite Runde sichtbar von rechts feststeppen.

Spitzensaum


Futterröcke mit Spitzenkante - Klick aufs Bild zeigt es größer an
Spitzenkante von links - Klick aufs Bild zeigt es größer an
Eine Spitzenkante am Rocksaum (ich mache das ab und zu bei Futterröcken) kann man so annähen: Spitzenborte knapp an der Bortenkante entlang auf der rechten Stoffseite mit Geradstich festeppen, die Nahtzugabe des Stoffes auf der linken Seite nach oben (von der Borte weg) bügeln und die Bortenansatzkante von rechts noch einmal mit einem kleinen Zickzackstich entlangkanteln. Überschüssigen Stoff auf der Rückseite bis zum Zickzack wegschneiden.

Gepfuschter Saum

Hingepfuschter Saum - Klick aufs Bild zeigt es größer an
Manchmal hilft aber gar nichts - wenn sich, wie hier, ein dicker, störrischer Stoff nicht bügeln lässt und alles regelgerecht Genähte furchtbar aussieht, dann darf man auch einfach mal den Umschlag mit Zickzack versäubern und die Saumkante knappkantig absteppen und es gut sein lassen!

Und wie sieht es bei euch aus? Details wie im Schnittmuster vorgesehen oder doch etwas ganz Eigenes? Wie sehen eure Nähfortschritte aus? Wir sehen uns am 26.6. beim Finale!



Mittwoch, 8. Juni 2016

MeMadeMittwoch am 8 Juni mit den Ergebnissen des Prada-Sewalongs

Bei Sewalongs termingerecht zum Finale fertigzuwerden ist meine große Schwäche, daher bin ich froh, dass ich (Lucy) euch heute als Gastgeberin mein Ergebnis des Prada-Sewalongs zeigen kann. Ich hatte mir zwei Teile vorgenommen: Einen aus Leinenresten im Patchwork zusammengesetzten Rock, für den es bei Prada ein konkretes Vorbild gab, und ein Top in einem für Prada typischen seltsamen Farbton, ein Gelbgrün zwischen Senf und thailändischer Currypaste, für das ich einen Schnitt und eine konkrete Idee finden musste - hier hatte ich ausführlich über meinen Plan geschrieben. 


Der Fahrplan für den Rock lag von Anfang an klar vor mir, daher wurde er auch rechtzeitig fertig. Ich habe einfach einen Schnitt für einen Rock mit sechs Bahnen aufgeteilt, für jedes der drei Bahnen-Teile ein Schnittteil erstellt und die Leinenreste zugeschnitten. Die Einzelteile sind dachziegelartig mit offenen Kanten aufeinandergesteppt und dürfen an den Kanten ausfransen - das sieht man auf den Bildern nur nicht. 


Bei dem Oberteil wollte ich die Elemente hineinbringen, die ich für mich als "typisch Prada" definiert hatte: Eine zweite Farbe in einer ungewöhnlichen Zusammenstellung verwenden und einen nicht figurnahen Schnitt ausprobieren. Beides Dinge - zusammen mit der gelbgrünen Grundfarbe - die ganz weit weg sind von dem, was ich sonst anziehe.


Nach einigem Herumprobieren mit Pink und Türkisblau kam ich auf einen dunkelroten Viskosestoff als Kontrast, als Schnitt verwendete ich das Top 114 aus Burdastyle 4/2016 (hier bei Zufall, wenn's klappt und hier bei Blaupause7 gab es auch schöne Versionen zu sehen). Die Belege schnitt ich aus der dunkelroten Viskose zu und verstürzte sie nach außen anstatt nach innen. Außerdem kürzte ich das Top um 4 cm, so dass es gerade knapp bis zum Hüftknochen reicht - wenn schon sackig, dann wenigstens kurz, so dass die Taille darunter zu erahnen ist.  


Das Interessante spielt sich bei diesem Top eindeutig auf der Rückseite ab - vorne ist es mir eigentlich ein bißchen zu hochgeschlossen. Trotzdem bin ich ganz positiv überrascht, wie angenehm sich das trägt und dass es trotz allgemeiner Körperferne mit einem engeren Rock ganz gut aussieht. Etwas ungewohnt, aber es lohnt sich auf jeden Fall, diese Schnittform ins Repertoire aufzunehmen. Und dass ich die Farbe tragen kann, ohne wie ein Häufchen Elend auszusehen, überrascht mich auch. 


Damit hat mal wieder ein Sewalong meinen Bekleidungshorizont erweitert. Und nun bin ich gespannt auf eure Entdeckungen - lasst sehen, was tragt ihr heute?


Mittwoch, 23. Dezember 2015

MeMadeMittwoch am 23. Dezember 2015


Guten Morgen! Ich begrüße euch ganz herzlich zum letzten MeMadeMittwoch im Jahr 2015. Ein Weihnachtskleid habe ich (Lucy) dieses Jahr leider nicht geschafft, aber ich habe eine neue Weihnachtsstrickjacke, und da ich die Feiertage zu einen großen Teil auf dem Sofa verbringen werde, passt das ganz hervorragend zu meinen Plänen.

Die Jacke heißt Takoma und ist nach einer kostenlosen englischen Anleitung von Knitty.com gestrickt. Bei Knitty werden vier Mal im Jahr Strickanleitungen von verschiedenen Designern veröffentlicht, viele Sachen gefallen mir sehr, und ich finde es gut, dass die Modelle in der Regel in allen Größen, von ganz klein bis ganz groß, angeboten werden. Bei Takoma reicht der Umfang in Brusthöhe bei der fertigen Jacke zum Beispiel von knapp 100 bis zu 153 cm, wobei man sie mit 10-15 cm "positive ease", 10-15 cm Bequemlichkeits- und Designzugabe tragen soll. Man kann sich also mit der Anleitung in der Spannweite von 85 bis zu 143 cm Brustumfang eine passende Jacke stricken! In die englischen Strickbegriffe muss man sich erst etwas einarbeiten - und manchmal auch in die etwas umständliche Art der Anleitungen, wenn Masche für Masche aufgezählt wird, was gestrickt werden muss - aber wenn man die Strick-Grundbegriffe auf Deutsch beherrscht und sich alles übersetzt, kann eigentlich nichts schiefgehen.
 

Allerdings bin ich bei dem Kragen dieser Jacke doch an die Grenzen meines Könnens gekommen. Im Original hat die Jacke einen kraus rechten Schalkragen, der aus zwei Teilen besteht: Knopfleiste und vorderer Kragenteil werden an die Vorderteile angenäht und gestrickt, für den mittleren Teil nimmt man aus dem Halsausschnitt Maschen auf, strickt den hinteren Kragen quer und verbindet ihn durch Abnahmen mit den vorderen Kragenteilen.

Als ich das versuchte, sah es einfach scheußlich aus. Der Übergang vom vorderen und hinteren Kragen liegt auch noch vorne kurz unterhalb der Schulter, also an einer Stelle, wo jeder als erstes hinguckt. Es ist mir bis heute ein Rätsel, wie es die Strickerin des Originalmodells hinbekommen hat, diese Nahtstelle so glatt und unauffällig zu gestalten. Ob es doch an der englischen Anleitung lag, dass mir das in mehreren Anläufen nicht gelang? Jedenfalls hatte ich dann keine große Lust mehr, bei ravelry nach Lösungen zu suchen, und strickte schließlich das, was ich kann: Blenden in zwei rechts-zwei links und einen Schalkragen mit verkürzten Reihen.  Auch schön. Passt sogar besser zu den zwei rechts- zwei links-Abschlussbündchen als ein Kragen in kraus rechts.  


Abgesehen davon, dass die Jacke im Moment ein bißchen warm ist, fühle ich mich sehr darin wohl. Am Sonntag trug ich sie mit einem (zerknitterten) schwarzen Wollrock (Schnitt 136 aus Burda 10/2010), genäht 2011.

Bevor ich den Vorhang zum Linktool öffne, möchte ich euch auch im Namen des MeMadeMittwoch-Teams schöne, erholsame Feiertage wünschen: Besinnlich oder trubelig, so, wie ihr es am Liebsten mögt, und hoffentlich auch mit etwas Zeit für euch und eure Nähmaschine.

Unsere gemeinsame Spendenaktion hat gerade die 2000-Euro-Marke geknackt - das ist erstens ein großartiger Erfolg, und bedeutet zweitens, dass es hier demnächst eine Überraschung von uns für euch geben wird. Gespendet werden kann für das Hamburger Projekt Made auf Veddel, das Frauen eine Berufsperspektive durch Handarbeiten eröffnet, natürlich weiterhin - einfach den Button links oben anklicken, gewünschten Betrag eintragen (eine zusätzliche Spende für betterplace ist nicht zwingend erforderlich).

Weiter geht es hier (nach der Überraschung natürlich) am 10. Januar mit dem Finale der Herzen des Winterjackensewalongs, am 13. Januar ist dann der erste reguläre MeMadeMittwoch mit eurem Fazit zur Lieblingskleidung 2015.

Nun aber zu dem, was an einem ungewöhnlich warmen 23. Dezember an selbstgemachter Alltagskleidung getragen wird: 

Sonntag, 18. Oktober 2015

Winterjacken-Sewalong - Erster Zwischenstand und: Es geht dem Kragen an den Kragen

Willkommen beim zweiten Zwischenstand des Winterjacken-Sewalongs!

Wie weit seid ihr inzwischen gekommen? Jetzt ist Gelegenheit, sich über die Tücken des ausgesuchten Schnitts auszutauschen und Hilfe bei kniffeligen Stellen zu finden. Ich (Lucy) habe schon mal vorgenäht, um nicht als Moderatorin nur mit einem Haufen zugeschnittener Stoffteile dazustehen.



Da ich mir ein relativ einfaches Modell ausgesucht habe, bin ich nach einem Fehlstart gut vorangekommen. Beim Nähkränzchen hatte ich zu viel gequatscht, Einlage falsch zugeschnitten und aufgebügelt und zwei rechte Vorderteilbelege fabriziert anstatt eines rechten und eines linken - es war aber noch genug Stoff da, um einen Beleg neu zuzuschneiden, Glück gehabt, die Einlage ging nämlich nicht ohne Spuren wieder ab.

Das Nähen des Kragens habe ich für euch mitfotografiert, es ist die Methode, die ich mittlerweile immer verwende, weil ich mit dieser Reihenfolge gut zurechtkomme. Ich habe mich erst mit Reverskragen wirklich schwergetan, weil die Anleitungen einfach zu knapp gehalten sind, als dass man wirklich wüsste, worauf man achten muss. Oft zuppelte es irgendwo und die Kragenecken zogen sich nach oben.

Natürlich gibt es viele andere Möglichkeiten, in der September-Ausgabe der Fashion Style wird z. B. eine andere Reihenfolge mit Bildern gezeigt. Eure eigenen Tipps und Kniffe könnt ihr gerne in den Kommentaren ergänzen! Die Linkliste findet ihr ganz unten.

Anatomie eines Reverskragens 

 

Bevor es richtig losgeht, ist es vielleicht sinnvoll, sich erst mal über die Einzelteile eines Reverskragens klar zu werden, ich habe daher einen älteren Mantel von mir von innen fotografiert und die Schnittteile nachgezeichnet:


Die Form des gesamten Kragenbereichs, also von Vorderteilbeleg und dem eigentlichen Kragen, wird in der Herrenschneiderei auch "Fasson" genannt - achtet mal auf der Straße drauf, oder auch bei Anzugjacketts, da gibt es ganz verschiedene Formen: Die Spitze des Belegs kann nach oben oder nach unten zeigen (steigendes bzw. fallendes Revers), die sichtbare Verbindungsnaht zwischen Beleg und Kragen (die so genannte Spiegelnaht) kann einen ganz unterschiedlichen Verlauf nehmen, der Winkel, der sich an der Außenkante zwischen Kragen und Vorderteil bildet (der Crochet oder Fassonspiegel) kann spitzer oder stumpfer sein.

Reverskragen nähen 

 

1.  Vor dem Nähen werden der Vorderteilbeleg, der Rückenteilbeleg sowie jeweils ein Kragen und ein Kragensteg mit Einlage verstärkt. Ob es besser ist, den Unterkragen oder den Oberkragen bzw. den äußeren oder den inneren Kragensteg zu verstärken, darüber könnte man endlos diskutieren. Ich verstärke den Unterkragen und den äußeren Steg, denn dann lässt sich meiner Meinung nach der Stoff des Oberkragens leichter so hinbügeln, dass man an den Kragenkanten die Naht nicht mehr sieht, wenn man auf den Kragen guckt. Außerdem zeichne ich die Nahtlinien der Kragenteile und die Passzeichen noch einmal ganz genau auf die Einlageseite auf. Wollstoff kann man ja normalerweise nicht so gut und präzise markieren, daher freue ich mich, wenn ich wenigstens auf einer Seite ganz genau weiß, wo ich entlangnähen muss.    

2.  Bei meinem Mantel besteht der Kragen nur aus einem Teil - der Kragensteg ist angeschnitten, daher entfällt bei mir der erste Nähschritt: Kragen und Kragensteg verbinden. Ihr näht jeweils das Kragenteil mit Einlage und das Stegteil mit Einlage und die beiden Teile ohne Einlage rechts auf rechts zusammen. Vorher gut stecken und dann ganz langsam - da die Nahtlinien, die zusammentreffen, unterschiedlich gebogen sind, ist das Steppen etwas kniffelig. Die Nahtzugabe schneidet ihr auf 5 mm zurück und bügelt sie auseinander. Probiert das Flachbügeln erst mal, ohne die Nahtzugaben quer zur Naht einzuschneiden - bei Wollstoff geht das, und der Kragensteg bleibt so stabiler. Meistens steppt man die Teile auch noch rechts und links der Verbindungsnaht ab - schaut nach, was die Anleitung dazu sagt.


3.  Als nächstes werden Oberkragen und Unterkragen verstürzt. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass der Oberkragen etwas mehr Länge und Weite braucht als der Unterkragen, das kann man sich leicht veranschaulichen, wenn man sich die zwei Kragenteile über die Hand hängt: Das obere Teil muss wegen der Biegung sozusagen einen längeren "Weg" zurücklegen - und bei dem umgebogenen Kragen am Mantel ist das später dann genauso. Richtig ausgeklügelte Schnittmuster berücksichtigen das sogar schon und haben unterschiedlich große Schnittteile für Ober- und Unterkragen.

So sieht das "blasige" Feststecken des Oberkragens bei mir aus
Bei den meisten Schnitten wird für beide Kragenteile das gleiche Schnittteil verwendet,  und daher muss man den Oberkragen etwas "blasig" rechts auf rechts auf den Unterkragen stecken. Versucht, den Oberkragen beim Stecken etwas zusammenzustauchen. Ihr steppt dann mit der Einlageseite nach oben entlang der aufgezeichneten Nahtlinie, so dass der Transporteur im besten Fall die unten liegende unverstärkte Seite etwas einhält. Und, ganz wichtig: Näht nur genau vom Anfang der Nahtlinie bis zum Ende, also beginnt und endet nicht wie sonst auf der Nahtzugabe!

Gesteppt, Nahtzugaben zurückgeschnitten
Gewendet und gebügelt, von unten - die Naht liegt auf der Unterseite des Kragens
Wenn ihr jetzt die Nahtzugaben zurückschneidet, an den Kragenspitzen quer abschneidet, an Rundungen quer zur Naht vorsichtig einschneidet und  den Kragen wendet und bügelt, sollte sich der Oberkragen ganz leicht so hinschieben lassen, dass die Naht einen Tick auf der Unterseite des Kragens liegt. Haltet den Kragen so, wie er später getragen wird, also umgeklappt und rund gebogen, und probiert, ob er sich schön legt. Bei Wollstoff kann man in diesem Stadium mit Bügeln noch eine Menge erreichen, wenn sich z. B. die Kragenecken nach oben ziehen.  

4.  Jetzt müssen die Belegteile zusammengefügt werden. Ich überlege jedes Mal, wie herum der Rückenteilbeleg an die Vorderteilbelege gehört, und bin jetzt darauf gekommen, dass ich mir die Teile am besten so umhänge, wie sie später im Mantel auch zu liegen kommen: Die rechte Stoffseite zu mir, den Rückenteilbeleg um den Hals und die Vorderteilbelege im Anschluss, so dass ich die Ecke zum Revers umklappen kann, dann mache ich das nicht jedes Mal falsch. Näht die Belegteile an den schmalen Seiten zusammen - in diesem Fall auch über die Nahtzugaben drüber - und bügelt die Naht auseinander.

Vorderteilbeleg rechts auf rechts ans Vorderteil nähen - aber nur bis zum Passzeichen nähen
5.  Die Belege werden jetzt rechts auf rechts auf die Mantelvorderteile gesteckt, jeweils vom Querzeichen, wo der Kragen endet, bis nach unten zum Saum. Da der Beleg beim fertigen Revers umgeklappt getragen wird, braucht er auch wieder etwas mehr Weite und muss "blasig" festgesteckt werden. Ihr näht die Belege dann auch jeweils vom Querzeichen (wo ihr die Naht verriegelt) bis zum Saum fest. Schneidet die Nahtzugaben stufig zurück - Einschneiden ist meistens nicht nötig, da die Strecke ziemlich gerade ist - und bügelt die Nahtzugaben erst von der linken Seite auseinander, stülpt dann den Beleg komplett nach innen um und bügelt die vorderen Kanten. Ich hefte oft auch einmal mit der Hand an der Vorderkante entlag, damit mir das mühsam Gebügelte nicht beim weiteren Nähen immer wieder auseinander fällt.


6.  Nun wird der Kragen in den Halsausschnitt eingesetzt. Steckt den Unterkragen (rechte Seite des Unterkragens liegt auf der rechten Seite des Mantels) im Halsausschnitt fest, die Passzeichen am Kragen treffen auf die Schulternähte, und an den Mantelvorderteilen reicht der Kragen genau bis zu dem Passzeichen, bis zu dem ihr eben den Beleg festgenäht habt. Näht den Kragen ein, auch hier wieder genau von Nahtende bis Nahtanfang, und bügelt die zurückgeschnittenen Nahtzugaben des Ansatznaht auseinander.


7.  Zuletzt ist nur noch der Oberkragen locker, und da die Nahtzugaben des Kragens nicht mit festgenäht wurden, ist es gar nicht so schwer, den Oberkragen an den Halsbeleg und den Vorderteilbeleg zu stecken und zu nähen. Achtet auch wieder darauf, dass der Oberkragen mehr Länge braucht, um sich umzulegen. Steckt erstmal, klappt die Belege nach innen und formt den Kragen so, wie er dann später getragen wird: rund um den Hals und umgeschlagen. Wenn das noch nicht sitzt, lasst noch etwas Nahtzugabe raus, steckt nochmal und probiert es wieder. Volle 100 Punkte erhaltet ihr, wenn ihr jetzt daran denkt, einen Aufhänger in dieser Naht mitzufassen!

Es ist jetzt ein bißchen kniffelig, die Ansatznaht ordentlich auszubügeln, weil man an die Stelle so schlecht dran kommt - aber das schafft ihr! Zuletzt näht ihr die Nahtzugaben von Rückenteil und Rückenteilbeleg von innen ein Stück weit aufeinander, um das Ganze zu fixieren, und damit habt ihr den Reverskragen auch schon bezwungen!

Beim nächsten Treffen am 1. 11. wird es um Paspelknopflöcher gehen, und falls ihr mit dem Füttern kämpft, könnt ihr euch auf das Treffen am 15. 11. und ein Futtertutorial freuen.

Jetzt aber die Linkliste für eure Winterjacken- Fortschritte: 

 

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Me made Mittwoch am 14. Oktober 2015 mit einem neuen und einem alten Lieblingsstück

Guten Morgen beim Me made Mittwoch an einem in Berlin sehr ungemütlichen 14. Oktober. Ich blogge normalerweise als Lucy bei Nahtzugabe und habe jetzt endlich meine Sommer-Strickkrise überwunden und kann deshalb heute eine Strickjacke tragen, an der ich ungefähr seit März gestrickt habe.


Längst nicht alle Hobbyschneiderinnen stricken (genauso wie längst nicht alle Strickerinnen nähen),  und bei mir kann man feststellen: Ich stricke zwar, aber so, wie eine Schneiderin strickt, also wenn ich nicht einer Anleitung folge, mache ich mir Schnittteile aus Papier und stricke lauter Einzelteile, die ich zum Schluss zusammennähe. Ich denke in den Grenzen von Vorderteil, Rückenteil, Ärmel. Die elegantere Methode, einen Pullover oder eine Strickjacke vollkommen nahtlos in 3D zu stricken, mit allen Zu- und Abnahmen am richtigen Platz habe ich nicht mal in Ansätzen begriffen - wie man das wohl ausrechnet? Ich bin schon mit der Raglan-von-oben-Grundanleitung überfordert.

Aber wer weiß, vielleicht lerne ich das ja auch noch, im Moment fahre ich mit der stricke-wie-du-nähst-Strategie ganz gut. Ich versuche, bei jedem Teil eine technische Schwierigkeit einzubauen, die ich vorher noch nicht probiert hatte, was bei dieser Strickjacke dazu führte, dass sie sehr lange nicht fertig wurde. In der Strickrunde ist das Phänomen schon bekannt, das sind die "Stellen", an denen Nachdenken gefordert ist statt stumpfsinnig-entspanntem Vor-sich-hinstricken, und an denen die Arbeit dann oft ein wenig länger ruht, in diesem Fall einige Monate.


Die Jacke aus Drops Cotton Merino (dunkelgrün Farbe 22) hat ein Zickzackmuster aus rechten und linken Maschen aus einer Strickmustersammlung. Vorne habe ich die ersten Taschen meines Lebens eingestrickt. Technisch sind sie gut geworden, aber an der Größe und der Platzierung kann ich noch arbeiten. Ich hatte nicht bedacht, dass eine Strickjacke etwas länger sein muss, damit Taschen in einer sinnvollen, benutzbaren Höhe angebracht werden können. Jetzt sind sie etwas klein und etwas weit oben - aber das ist nicht schlimm, beim nächsten Mal weiß ich, woran ich denken muss.

 

Mit dem angestrickten Schalkragen, der zweiten Schwierigkeit, bin ich hingegen sehr zufrieden. Der Kragen wird von verkürzten Reihen gebildet, auch so eine Technik, die ich nur mit viel Nachlesen und einem Spickzettel für die Strickrunde beherrsche. Glücklicherweise wurde der Kragen schon beim ersten Versuch genau richtig und die Jacke hat gute Chancen, ein neues Lieblingsstück zu werden.


Zur Strickjacke trage ich ein altes Lieblingsstück, einen Rock von 2011, der jetzt leider langsam etwas abgenutzt aussieht. Der Rock ist nach dem Karl-Lagerfeld-Designerschnitt 136 aus Burda 10/2010 genäht, allerdings von Supermini  um 12 cm auf eine sozialverträgliche Länge verlängert - hier hatte ich damals darüber gebloggt. Die Details des Schnitts - die eingesteppten Bügelfalten, die Taschenklappen mit Knöpfen im Vorderteil, die Bundfalten, den Aufschlag am Saum - mag ich nach wie vor sehr, sehr gerne, der Rock passt fast zu allem und sieht trotzdem nicht langweilig aus. Wenn ich ihn mal beerdige, muss ich mir den Schnitt glatt noch einmal nähen.

Wie siehts bei euch aus? Seid ihr heute in alten oder neuen Lieblingsstücken unterwegs? 


Mittwoch, 24. Juni 2015

Me made Mittwoch am 24. Juni 2015


Hallo Sommer, ich bin vorbereitet! Ich blogge normalerweise als Lucy, und wer dort öfter liest, hat sicher schon gesehen, dass ich die meiste Zeit des Jahres deutlich dunkler und unbunter durchs Leben gehe, als heute hier - Lieblingsfarbe Schwarz eben. Es sei denn, es ist richtig Sommer, dann werde sogar ich farbenfroh und gemustert. Im heutigen Beitrag greife ich diesem ominösen Sommer etwas vor, ich habe mir vorbeugend nämlich einen ganz luftigen, bunten und ganz einfachen Rock aus flatteriger Viskose genäht. Tja, und ich ziehe den jetzt einfach an, obwohl ich mir bei (am Dienstag) 14°Grad und Dauerregen etwas deplatziert vorkomme. Aber ich will mir nicht nachsagen, ich hätte es nicht wenigstens versucht.


Zu den Schnitten: Die Wickelbluse ist vom letzten Jahr, Nummer 110 aus Burda 6/2006, ein Schnitt, den ich über die Jahre schon mehrmals genäht habe, und der wegen der Taillenbetonung sehr gut zu Röcken passt. Der Rock ist die Nummer 108 aus Fashion Style 5/2015 - ihr habt das ja sicher schon mitbekommen, die holländische Schnittmusterzeitschrift Knip Mode gibt es seit einigen Monaten als "Fashion Style" auf Deutsch.


Suchbild: die Knopfleiste musste ich aus Stoffmangel (nur 1, 50 m) stückeln - findet ihr die Naht?
Mehr blieb nicht übrig.

Der Rock ist im Grunde ganz simpel, aus vier glockigen Teilen, mit Taschen in der Seitennaht,  Gummizug und einer angesetzten Knopfleiste vorne. In der Anleitung wird das ganze aber wahnsinnig umständlich erklärt. Ich überflog sie nur, um zu sehen, ob es irgendwelche Besonderheiten gibt, und war dann von den Erklärungen komplett verwirrt. Ich weiß nicht, wie die holländischen Anleitungen der Knip sind, aber für die deutschen gäbe es jedenfalls noch Verbesserungspotential.

Was nicht in der Anleitung steht, aber wichtig zu erwähnen wäre: Da die Rockteile glockig geschnitten sind, sollte man sie vor dem Säumen aushängen lassen. Ich habe das nicht gemacht und habe daher rechts einen 1a-Zipfel am Rocksaum, wie man sieht. Aber ich fürchte, ich habe noch viel Zeit, das zu korrigieren, denn hier im Nordosten lässt der Sommer wohl noch auf sich warten.

Und jetzt bin ich gespannt, wie es bei euch aussieht: Ist denn irgendwo schon richtig Sommerkleidwetter?
Bitte sehr:

Mittwoch, 11. März 2015

Me made Mittwoch am 11. März 2015


Hallo und herzlich willkommen zum Me made Mittwoch, dem allwöchentlichen Treffen für selbstgemachte Kleidung. Ich blogge normalerweise als Nahtzugabe und darf euch etwas verraten: In Berlin ist endlich der Frühling ausgebrochen! Zwitschernde Vögel, Geruch nach feuchter Erde, Regen – die Zeichen sind untrüglich.


Letzte Woche zum Besuch der neuen Modegalerie des Kunstgewerbemuseums bei Dauerregen trug ich die WohnWolljacke, die ich im Januar bei der AnNäherung, dem Nähtreffen in Bielefeld gemacht hatte. Ich bin ja immer etwas zwiegespalten, was solche übergroß geschnittenen Kleidungsstücke angeht: das Verhüllende finde ich oft nicht besonders kleidsam, andererseits verbrachte ich meine frühe Jugend im wesentlichen in überdimensionierten grauen Sweatshirts, so dass ich eine gewisse Schwäche für Oversized-Kleidung behalten habe.

Tatsächlich stelle ich mir die Frage, wie „vorteilhaft“ im herkömmlichen, frauenzeitschriftengeprägten Sinne dieses oder jenes Kleidungsstück an mir aussieht immer seltener, je länger ich wieder selber nähe. „Vorteilhaft“ oder „nicht so vorteilhaft“ sind nicht die Kategorien, mit denen ich Kleidung in erster Linie bewerte, mindestens genauso wichtig sind meine Lust, ein neues Schnittmuster und neue Kleidungsformen auszuprobieren, ein bestimmtes Material zu verarbeiten und der Spaß am Nähprozess an sich. Und nicht zuletzt ist das Tolle am Nähen ja, dass man Details nach Belieben verändern kann.


Den Schnitt – 133 aus Burdastyle 11/2010 – habe ich daher größenmäßig gleich ein bißchen entschärft: die Ärmel der Jacke haben eigentlich 6 cm Überlänge, ich kürzte sie um diesen Betrag und schnitt die Jacke in Größe 36 zu (bei einem körpernahen Schnitt hätte ich 38 oder 40 genommen). Im Gegensatz zu vielen Oversized-Modellen bei Burda in der letzten Zeit sind die Schultern bei dieser Jacke nicht unendlich breit überschnitten und es gibt sogar eine angedeutete Armkugel, das heißt die Jacke ist zwar weit, aber nicht ganz so formlos wie die typischen Burda-Rechteckmodelle.


Die Ärmel legte ich quer zum Fadenlauf auf, dadurch verlaufen die Streifen bei Jackenkorpus und Ärmeln in der gleichen Richtung. Die große umlaufende Blende liegt im schrägen Fadenlauf, und beim Zuschneiden erlebte ich eine Sternstunde des Zuschneide-Tetris: die Anleitung verlangt 2, 60m einfarbigen Stoff – ich konnte das ganze auf 2, 20 m Streifenstoff quetschen und sogar die Streifenansätze in der hinteren Mitte am Kragen, am Saum und an den Seitennähten perfekt hinkriegen. Was für ein seltener Triumph!


Den Stoff muss ich euch noch einmal aus der Nähe zeigen: es ist ein außen sehr flauschiger Wollstoff, der auf der linken Seite einem kratzigen, locker gewebten Jutesack ähnelt. Die Streifen sind dunkelgrün, blau und violett und verschwimmen in der Gesamtwirkung aus einigem Abstand zu einem streifig strukturierten Blaugrün. Deshalb habe ich zufällig einen passenden blauen Gürtel für die Jacke parat und trage sie vorzugsweise mit Gürtel (und je nach Witterung mit oder ohne Trenchcoat drüber) zu einem kürzeren Rock, hier dem Lagerfeldrock von 2011. In den nächsten Wochen muss ich noch daran arbeiten, die Stiefel loszuwerden, dann steht dem Frühling nichts mehr im Wege.

Und wie sieht's bei euch heute aus? Bitte sehr: