Donnerstag, 9. Mai 2013

Wo sind eigentlich die Frauen? DIY-Blogs, der Me Made Mittwoch und die unsichtbare Macht im Internet

Liebe Freundinnen des Me Made Mittwochs,

wir, die Me Made Mittwoch Crew, sind stolz darauf, was für eine große und wertvolle Veranstaltung wir wöchentlich gemeinsam mit Euch auf die Beine stellen. Wir sind nicht nur stolz darauf, wie regelmäßig eine große Gruppe an Me Made-Selbermacherinnen immer wieder dieses Event bereichert, sondern freuen uns auch sehr darüber, wirklich jede Woche mehr als eine Handvoll  neue Teilnehmerinnen begrüßen zu können. Wie schön ist das denn?!

Eine quantitative Analyse, wie viele Teilnehmerinnen wir insgesamt bisher hatten oder wie viel Prozent Neu-Einsteigerinnen etc. haben wir nicht gemacht, aber wir begleiten den MMM mit qualitativem Interesse. Wir machen uns Gedanken darüber, was diese Aktion für die vielen Einzelnen aber auch für das große Ganze bedeutet. In diesem Sinne hatten wir euch im Januar um Feedback gebeten und uns sehr über Eure Antworten gefreut, zeigten sie uns doch, dass mit dem MMM offenbar etwas Besonderes für viele von Euch entstanden ist. 

Daraus entstand ein  Vortrags-Entwurf für die re:publica, die größte deutsche Internet-Konferenz, die diese Woche in Berlin stattgefunden hat. Wir waren der Meinung, die große und vielfältige Szene der DIY Blogs darf bei einer solchen Veranstaltung nicht fehlen - schließlich fragt doch alle Welt nach den bloggenden Frauen: Wo sind sie denn? Haben sie nur Katzen, Kinder und Kuchen im Kopf? Haben sie überhaupt Relevantens beizutragen, die Nähmuttis? Wir wollten zeigen, dass wir da sind, dass wir viele sind und dass es bei uns nichts zu belächeln, aber viel zu lernen gibt  – leider wurde unser Beitrag abgelehnt

Da wir unsere Gedanken über den MMM gerne mit Euch und mit Anderen teilen wollen, sollen sie nicht in der digitalen Schublade verschwinden. Hier sind sie. Wir sind sehr gespannt, was ihr dazu sagt. 

<3!

die MMM-Crew

Wo sind eigentlich die Frauen? DIY-Blogs, der Me Made Mittwoch und die unsichtbare Macht im Internet

 

Während Blogs angeblich gegenüber Facebook und Microblogging aus der Mode kommen, hat sich im Bereich der Do-It-Yourself-Blogs (DIY-Blogs) eine große, eng vernetzte, differenzierte, von Frauen dominierte Szene entwickelt, die mit enormen Zugriffszahlen aufwartet.

Von der größeren Netzöffentlichkeit weitgehend unbeachtet, geht es bei Gemeinschaftsaktionen von Selbermacherinnen wie dem Me Made Mittwoch längst nicht mehr nur um die Sammlung und den Austausch themenspezifischen Wissens. Mit ähnlicher Intention wie #609060 bei Twitter, einer von der Bloggerin Journelle ins Leben gerufenen Bildersammlung von Alltagskleidung, aber früher und radikaler als das Mem, setzt der MMM als größte und bekannteste Vernetzungsaktion der DIY-Bloggerinnen-Szene den Zuschreibungen, wie Frauen auszusehen haben, Woche für Woche hundertfach eigene Bilder entgegen.

Verborgen im Netz? Frauen bloggen und zwar eine ganze Menge!

 

Das Selbermachen wurde von den etablierten Medien und der Wirtschaft in den letzten Jahren als Trend erkannt: Stricken und Nähen gelten wieder als schick, als coole Freizeitbeschäftigung für urbane Menschen. Designer großer Kollektionen nehmen Inspirationen aus der DIY-Welt auf und „habe ich selbstgemacht“ ist in den letzten Jahren zum Prädikat geworden. DIY-Blogs stellen einen Motor dieses neuen öffentlichen Interesses an Handarbeiten dar. Was den Weg in die Presse, ins Fernsehen oder in die Läden findet, hat zumeist im Internet seinen Anfang genommen. Blogs sind das Medium, mit dem die deutschsprachige DIY-Szene vorrangig kommuniziert, und die meisten dieser Blogs werden von Frauen geführt.

Die Szene der DIY-Blogs ist in sich stark ausdifferenziert: Neben Blogs, die konkretes Know-How weitergeben und in Tutorials und Anleitungen technisches Wissen vermitteln, tritt das Blog als Marketinginstrument oder Portfolio auf, in dem für das eigene Kleinstunternehmen bei Dawanda oder etsy geworben wird. Neben Blogs, die mit dem klaren Ziel geführt werden, Einkommen über Anzeigenwerbung zu generieren, gibt es eine Vielzahl privater Blogs, denen es vorrangig um Selbstreflexion und Austausch von Wissen und Erfahrungen geht.

DIY-Blogs sind gut vernetzt und arbeiten mit der Währung Anerkennung. Kommentare und Verlinkungen produzieren ein gutes Gefühl und sind oft der „Lohn für die Arbeit“. Lernen, miteinander und voneinander, steht im Vordergrund. Vertrauen und Wohlwollen sind der Kitt, der die vernetzte Gemeinschaft zusammenhält. Es geht um Unterstützung, Stärkung und Empowerment - dezidiert auch in Abgrenzung zum herrschenden Modediktat und der damit einhergehenden Normierung weiblicher Körper. Die Weitergabe von Wissen ersetzt dabei die zum großen Teil verloren gegangene Übermittlung von Wissen und Erfahrungen von Generation zu Generation. Link-Sammel-Aktionen verbinden die Teilnehmerinnen sowie das in den Blogs gesammelte Wissen zu einem großen Ganzen und schaffen zugleich etwas Neues.

Wir produzieren Content, Dinge und unser eigenes Frauenbild

 

Näh- und Strickbloggerinnen sind in mehrfacher Hinsicht Produzentinnen: nicht nur als Blogautorinnen und als Herstellerinnen konkreter Objekte, sondern auch als Produzentinnen ihres eigenen Selbstbildes.

Kleidung als die äußere, sichtbare Hülle der Person, die zu einem großen Teil bestimmt, wie die Person wahrgenommen wird, ist ein Mittel des Selbstausdrucks. Durch das Herstellen der eigenen Kleidung nach eigener Vorstellung, unabhängig von Modediktaten und dem Angebot in den Läden, wird das Selbstbild aktiv gestaltet. Anders als herkömmliche Modeblogs, die sich häufig an einer Imitation der von Frauenzeitschriften und Bekleidungsindustrie vorgeprägten Muster und Posen versuchen, schaffen sich Näh- und Strickblogs ihr eigenes Bezugssystem und ihr eigenes Bilderarsenal. Diese Blogs sind von Hypes und Moden nicht frei, sie entstehen aber im Zuge der Vernetzung „von unten“, aus der Bewegung selbst und lassen sich nur bedingt steuern.

Der Me Made Mittwoch - „Ihr seid doch alle Individuen!“

 

Der Me Made Mittwoch (MMM), eine wöchentlich stattfindende Blogaktion mit jeweils ca. 150 aktiven Teilnehmerinnen und zehntausenden BesucherInnen, ist der sichtbare Ausdruck dieses Netzwerks, das eine beträchtliche Ausstrahlung entfaltet und Woche für Woche neue Teilnehmerinnen und BesucherInnen anzieht.
  • ca. 70.000 Seitenaufrufe im Monat
  • durchschnittlich 8000-10.000 Seitenaufrufe jeden Mittwoch
  • ca. 520.000 Seitenaufrufe seit Beginn des Me Made Mittwoch-Blogs am 27.08.2012
  • den Me Made Mittwoch gibt es seit März 2010, bis August 2012 organisiert von allures-und-couture.blogspot.de

Die Teilnehmerinnen des MMM präsentieren selbst gemachte Kleidung an sich selbst, tauschen sich über Herstellungs- und Entscheidungsprozesse aus, stellen Optionen zu Diskussion, erfahren gegenseitige Bestärkung und Beachtung. Durch das Präsentieren der selbstgemachten Kleidungsstücke am eigenen Körper, stellt sich die „Produzentin“ selbst in den Kontext mit dem Werk und damit in den Vordergrund. Passung bezieht sich nicht nur auf die Passform des Kleidungsstücks und das handwerkliche Geschick, das dazu eingesetzt wurde, sondern bezieht sich auch auf das Aussehen, das Alter sowie die Lebensumstände der Frau. „Echte Menschen“ haben weit höhere Ansprüche an schöne, passende und praktische Kleider als Schaufensterpuppen und Models  – selbstgemachte Kleidung ermöglicht es den Frauen, den Spagat zwischen verschiedenen Lebenssituationen zu meistern, selbst zu definieren, was für sie adäquat ist und das eigene, innere Bild und das Äußere zur Deckung zu bringen.

Die Teilnehmerinnen werden in dieser gemeinschaftlichen Suche nach Lösungen zu Autorinnen, Näh- und Strickexpertinnen, Fotografinnen, Stilratgeberinnen und erfahren sich selbst als kompetente Persönlichkeiten. Das Beispiel anderer Selbernäherinnen regt dazu an, die eigenen Möglichkeiten und das eigene Bild zu überdenken, andere Handlungsoptionen kennenzulernen und auszuprobieren. Häufig wirkt die Vernetzung über den Me made Mittwoch als Initialzündung für Veränderungen in konkreten Lebensbereichen: Neben zahlreicheren kleineren virtuellen Zirkeln entstehen reale Zusammenkünfte. Die Auseinandersetzung mit den Herstellungsprozessen von Kleidung sensibilisiert für die Bedingungen und Folgen von Massenproduktion und -Konsum.

Einfach machen! Eine Bewegung ohne Gegner und ohne Kampf

 

Der Kampf gegen die „Photoshop-isierung der Welt“ wurde nicht ausgerufen - statt sich gegen etwas aufzulehnen und sich daran abzuarbeiten, bieten das Selbermachen von Kleidung, das darüber Bloggen und der Me Made Mittwoch eine Gelegenheit aktiv zu werden und für sich selbst etwas zu ändern. Die Einzelne, die für sich passende Kleidung erschafft, um nach außen hin das zu zeigen, was sie aussagen möchte, hat sich selbst damit gestärkt und ermächtigt. Die Einordnung in die Galerie der selbstbestimmten Selbermacherinnen im Rahmen des Me Made Mittwochs gibt die Bestätigung, nicht alleine damit zu sein.

Diese Galerie mit Bildern „echter Frauen“, die ihren eigenen Kopf und Stil haben, verändert aber noch mehr. Wer Woche für Woche Zeit damit zubringt, „echte Menschen“ anzuschauen, schwächt damit die tief verwurzelte aber unbewusst verankerte Überzeugung, dass eine normale Frau aussehen muss, wie die ge-fotoshopten Kunstgeschöpfe in den Medien. Das scheinbar „Normale“ wird ersetzt durch das wirkliche Leben, das durch die Vielfalt der Erscheinungsmöglichkeiten einen neuen Entscheidungsraum bietet. Frauen übernehmen damit selbst die Deutungshoheit über ihr eigenes Bild.

Eine Bewegung?

 

Wir als Me Made Mittwoch-Crew, die den MMM organisiert, sehen hinter der Freude der Einzelnen, über das, was sie durch die Teilnahme am MMM an Wertschätzung, Wissen und Ideen erhält hinaus, einen Trend, eine Veränderung, die mit dem offenen Kollektiv, dem Netzwerk an Teilnehmerinnen zu tun hat. An uns selbst, aber auch an Teilnehmerinnen, die in regelmäßigen oder unregelmäßigen Abständen an der virtuellen Zusammenkunft teilnehmen, beobachten wir deutlich sichtbare Veränderungen der äußeren Erscheinung und der der Person innewohnenden Haltung. Mehr Selbstbewusstsein und mehr Bewusstsein werden durch diese Kombination aus Selbermachen und Zusammenkunft geschaffen.

Diese neue Form weiblicher Selbstorganisation im Netz ist bislang wenig zur Kenntnis genommen worden. Das möchten wir ändern, denn DIY ist nicht nur das Umhäkeln von Laternenpfählen! DIY-Blogs und die Vernetzung über Aktionen wie den Me Made Mittwoch sind das Medium und der Ausdruck einer neuen Spielart der Frauenbewegung, die über die Generationen hinweg stattfindet. Der Feminismus klassischer Prägung wird dort nur selten thematisiert, aber „Frau sein“ - in dieser Gesellschaft und der Netzöffentlichkeit leben, wirken, sie mitgestalten - spielt stets eine Rolle.

Mittwoch, 8. Mai 2013

Me Made Mittwoch am 8. Mai 2013




Statt auf der re:publica, trage ich heute Vormittag mein neues Kleid - einfach nur zu meiner eigenen Freude - und nur für mich im Homeoffice. Heute Abend wird es dann noch schön zum Essen und anschließend ins Theater ausgeführt. Vier Stunden "Brüder Karamasow" stehen auf dem Programm und obwohl ich mich schon sehr darauf freue, frage ich mich, wie ich vier Stunden Stillsitzen ohne Strickzeug aushalten soll. Wichtigstes Kriterium an das Outfit: es darf nichts drücken und zwängen beim langen Stillsitzen Kulturgenuß nach dem Essen. Das dürfte im Jerseykleid gewährleistet sein.




Obwohl der Schnitt Ajaccio von der Schnittquelle schon letztes Jahr erschienen ist und ich ihn schon damals auf verschiedenen Blogs bewunderte, raffte ich mich erst dieses Jahr dazu auf, ihn zu nähen. Wenn ich mich recht erinnere, wurden die "großen Größen" auch erst einige Zeit nach Verkaufsstart angeboten. Für mich ist Ajaccio "das neue Knotenkleid". Von Weitem sehen mein Knotenkleid aus der Knipmode und Ajaccio sehr ähnlich aus, die Raffung am Vorderteil macht eine schöne Passform; betont die Stärken und überspielt, falls es was zu überspielen geben sollte.




Ich war und bin schon immer ein Fan von Knotenkleidern gewesen - wohlwissend, dass es viele von Euch gibt, die Knotenkleider nicht mögen oder nicht mehr sehen können. Ajaccio gefällt mir aber noch ein Quentchen besser, denn der Rock schwingt so schön. Da werden sicherlich noch einige Kleider nach dem Schnitt folgen - schließlich brauche ich auch irgendwann Jerseykleider mit kurzen Ärmeln. Als "Frau mittleren Alters" habe ich mich jetzt aber erstmal für die vorteilhafteren "nicht-Fisch-und-nicht-Fleisch" Dreiviertelärmel entschieden, bei denen ich mir wahlweise einreden kann, dass sie warm genug bzw. kurz genug sind.





Schnitt: Ajaccio von der Schnittquelle
Material: Viscosejersey
Änderungen: die langen Ärmel habe ich gemacht, indem ich die Ärmel von einem anderen Jersekleidschnittmuster genommen und mit den kurzen Ärmeln von Ajaccion zusammengebastelt habe. Das obere Vorderteil habe ich ein kleines bißchen vergrößert. Außerdem habe ich auf die Schulternähte und den hinteren Ausschnitt Nahtband gebügelt.
Werde ich noch mal machen: auf jeden Fall!

Und das hier unten, ist das von mir auch sehr geliebte Probekleid. Am Samstag genäht, Sonntags begeistert getragen und Sonntag abend gleich das Nächste zugeschnitten. Das war auch gut so, denn der hinreißenden Ginsterjersey, in den bezaubernden Farben, wäre sonst wahrscheinlich über Jahre im Lager liegen geschont geblieben. Ich bin so verliebt in den Ginsterjersey und sehr glücklich, so schnell den passenden Schnitt dafür gefunden zu haben. Aber das Sonntagskleidchen liebe ich auch.



Mein neuer Lieblingsschnitt. Einfach zu nähen (Tutorial hier), nett anzusehen, bequem. Was will frau mehr!

Und ihr so? Noch langarm oder schon kurzarm?

Denkt ihr bitte daran, einen Link zum MMM-Blog in eueren Beitrag einzufügen?! Danke!


Mittwoch, 1. Mai 2013

Me Made Mittwoch am 1. Mai


Ich freue mich sehr, heute den Tanz in den Mai anzuführen. Mein Name ist Melleni und ich schreibe sonst auf *talentfreischoen* über Lust und Leid mit dem schönsten Hobby der Welt, wie es Caterhine gerade sehr treffend beschrieben hat.

Bevor ich jedoch mit dem Tänzchen beginne möchte ich noch ein Versprechen einlösen: Vor zwei Wochen hatte ich dieses Kleid vorgestellt und mich (und Euch) gefragt, ob ich es zur anstehenden Konferenz tragen kann. Mehrheitlich wurde mir zum Mut zur Farbe geraten und zum Aufmöbeln der eher grauschwarzen Einheitsuniform.

Nun, ich muss hier gestehen: ich war nicht mutig (genug) und habe an allen drei Tagen andere Kleidung gewählt: zunächst ging ich in Rock und Blazer (leider ohne Foto) und an Tag 2 war ich dann halbmutig und trug immerhin die etwas dezentere Variante des Kleides. Ich hab mich wohlgefühlt mit dieser Mischung aus schick und - dennoch - angemessen.

Witzigerweise hat eine MMM-Leserin aus den wenigen Angaben, die ich zur Konferenz gemacht habe, haarscharf kombiniert, dass wir auf der gleichen Veranstaltung waren. Mannometer, man muss doch aufpassen, was man so schreibt, ist halt doch nicht ganz privat hier, der Rahmen. Immerhin war es ein sehr netter Kontakt, der sich daraus entwickelt hat. Gruß nach Leipzig!

Jetzt aber: 1. Mai.

Es gibt ja viele Möglichkeiten den Tag der Arbeit - oder, wie er in NRW pathetisch heißt: den "Tag des Bekenntnisses zu Freiheit und Frieden, sozialer Gerechtigkeit, Völkerversöhnung und Menschenwürde" - zu begehen, etwa indem man an einer der Mai-Kundgebungen teilnimmt und sich so beispielsweise für Mindestlöhne einsetzt. Oder, wenn man in Berlin lebt, kann man mit mehreren hunderttausend Leuten das 11. MyFest feiern, eine der zahlreichen Alternativen besuchen, etwa die Neuköllner Maientage oder das Kinderfest Mai-Fest in der Ufa-Fabrik oder sich die Krawalle in Kreuzberg, Friedrichshain und - ganz neu - Wedding aus nächster Nähe angucken. Kann man alles machen. 

Man kann aber natürlich auch ausschlafen - etwa weil man am Tag zuvor Walpurgisnacht gefeiert hat - und den Tag mit Müßiggang verbringen, was, wie ich finde, sehr passend ist für diesen Tag. Und sich über einen freien Tag freuen, der einem die Arbeitswoche verkürzt. Oder man kann einen Ausflug machen - das Wetter soll ja, zumindest in Berlin, schön werden.

So werden wir es halten und unseren Tag beim Radio1 Segeltag verbringen. (Ohje, jetzt werde ich bestimmt wieder erkannt.... :)

Wenn das Wetter einigermaßen mitspielt werde ich wohl diese maritime Kombi wählen:
 Obwohl ich ganz schön mit dem Kleid hadere...
Es ist der bekannte Schnitt Nr. 105 aus dem letztjährigen Sommer-Sonderheft der Knip. Im letzten Jahr hab ich mir ein "Schützenfestkleid" daraus genäht, das ich dieses Jahr schon aussorteirt habe. Es ist einfach zu knapp.

Für diese Variante hier habe ich deshalb gleich eine Größe größer zugeschnitten. Das Material ist ein wunderbarer Stoff mit unklarer Zusammensetzung, auf jeden Fall ziemlich edel.

Genäht habe ich das Kleid an meinem freien Nähsamstag und mit Unterstützung von Lucy - sie "musste" mich ein wenig beim Reverskragen anstubsen.

Nun ist das Kleid fertig und ich fremdel doch arg.

Frau Knopfs Kleider (hier und hier) gefallen mir doch um einiges besser.

Ich finde die Armlösung nicht sehr vorteilhaft. Das Kleid wirft unschöne Falten im Oberteil. Der Kragen verzieht sich regelmäßig. Und insgesamt ist das Oberteil nicht wirklich vorteilhaft. Kurz und ungut: Ich zuppel ständig an mir rum. Mit Jäckchen hingegen finde ich es hübsch.


Wer jetzt immer noch nicht weiß, was er machen soll mit dem Tag, kann natürlich auch über Arbeit als solches nachdenken: Was sie uns bedeutet, ganz individuell und als Gesellschaft, hier und anderswo: etwa über die skandalösen Löhne im deutschen Friseurgewerbe (die mittelfristig deutlich verbessert werden), die menschenverachtenden und ausbeuterischen Arbeitsverhältnisse in der Textilindustrie von Bangladesch und die hochkomplexen Verhältnisse dort, die nicht durch wenige Stellschrauben verändert werden können, wie dieses Interview sehr anschaulich macht. Die Billigkette Primark fürchtet nun nach der Katastrophe um ihr Geschäft - und ihr "Image". Um die Frauen, die trotz offenkundiger Einsturzgefahr zur Arbeit in dem Gebäude gezwungen wurden, sorgte der Konzern sich nicht.

Mittwoch, 24. April 2013

Me made Mittwoch am 24. April 2013



Ist das etwa dieser Frühling, von dem immer alle geredet haben? - Ich glaube, ja! Wobei die Natur das Kälteempfinden offenbar sehr ungleich verteilt hat. Ich (Lucy/Nahtzugabe) finde es nicht übertrieben, morgens mit Jacke und Strumpfhose aus dem Haus zu gehen – andere begegnen mir mit Flipflops und T-Shirt auf dem Fahrrad und ich muss muttihafte Gedanken - „hast du denn gar keine Jacke mit!?“ - beiseite schieben.



Aber egal – bei diesem Wetter ziehe ich gerne meine zweireihige Walkjacke von 2007 an (123 aus Burda 9/2006). Die Jacke ist mein absolutes Lieblingsstück und das älteste selbstgenähte Teil, das ich noch trage. Der kurze, taillierte Schnitt passt perfekt zu Röcken und eigentlich zu allem, was ich im Kleiderschrank habe. Die Jacke ist walkjackentypisch verarbeitet: ungefüttert, allerdings mit den Nahtzugaben nach innen, die Kanten sind nach links umgeschlagen und in einem Zentimeter Abstand zu Kante durchgesteppt. Auch der große Kragen ist einlagig verarbeitet, ohne Beleg.

Dazu trage ich einen Rock von 2011, das Karl-Lagerfeld-Modell aus der Burda 10/2010, im Detail hier zu sehen. Trotz 12 cm Verlängerung gegenüber dem Originalschnitt ist das mein kürzester Rock, und zuerst war ich skeptisch, ob ich ihn wirklich so oft anziehen würde. Aber während der Strumpfhosensaison ist das anders - ich mag die Schnittdetails, die an eine Herrenanzughose erinnern und durch die Gummizug im hinteren Bund ist der Rock sehr bequem.


Mittags ist es dann warm genug, dass auch ich die Walkjacke mal ausziehe. Darunter trage ich ein ganz neues Teil, eine Strickjacke aus Sockengarn nach eigenem, naja "Entwurf" klingt mir etwas zu überkandidelt. Ich richtete mich nach dem Schnitt des Swing Cardigan von Drops, den ich im Januar hier im MMM-Blog gezeigt hatte und berechnete die neue Maschenanzahl anhand meiner Maschenprobe. Das einfache Lochmuster stammt aus einem alten Strickheft. Die Jacke war sozusagen ein Testlauf mit günstigem Material - jetzt, da ich weiß, dass es grundsätzlich klappt, werde ich mir etwas Ähnliches auch noch aus besserem Garn stricken.


Soweit heute erstmal von mir - ob nun wirklich überall der Frühling ausgebrochen ist, sehen wir in der Sammlung: 

Mittwoch, 17. April 2013

Me Made Mittwoch am 17. April 2013


Herzlich Willkommen zum heutigen Me Made Mittwoch.
Ich, Julia wage nun die Behauptung: Endlich richtig Frühling!
Seit dem Wochenende habe ich nun meinen Wollmantel gegen meinen neueren leichten Mantel getauscht.



Den Mantel habe ich nach einem Schnittmuster aus der Zeitschrift „meine Nähmode“ genäht. 
Der Schnitt Nr. 1-4 aus dem Heft 4/2012 entspricht dem Simplicity Einzelschnitt 2057. Er ist einfach zu Nähen, doch sollte man beachten, dass die Anleitungen in der „meine Nähmode“ im Vergleich zu den original Simplicity-Anleitungen leicht gekürzt sind. Aber mit ein bisschen Näherfahrung ist so ein Mantel auf jeden Fall machbar.


Ich habe für meinen Mantel einen glatten mittelschweren Jackenstoff (Popeline ähnlich) verwendet. Dieser war sehr gut zu verarbeiten. Ich würde auch Anfängern raten, einen solchen Mantel erst mal aus einem glatten, dichter gewebten mittelschweren Stoff zu nähen, bevor man sich an ein locker gewebtes Wollbouclé wagt.


Ich habe den Mantel mit weinrotem Acetatfutter gefüttert, geblümt, gepunktet, kariert oder sonst wie gemustert hatte ich nicht auf Lager.


Mein dunkelblaues Kleid, dessen Taillenbandnähte gepaspelt sind (man erkennt sie  auf den Fotos nicht :-( ), habe ich nach Mc Call´s 6503 genäht. 
Für mich auch ein absolut empfehlenswerter Schnitt: Einfach und schnell zu nähen, geringer Stoffverbrauch (1,50m) und gute Passform. Der Schnitt bietet zudem zwei Rock- und zwei Oberteilvarianten.
Ich habe übrigens beide hier vorgestellte Schnitte schon zweimal genäht, denn ich bildete mir ein, ich bräuchte neben dem dunklen noch einen hellen Mantel und neben dem dunklen Kleid noch ein helleres.

Nun aber Vorhang auf für die Frühlingsgarderobe der kreativen Damen beim heutigen Me Made Mittwoch.

Julia

Mittwoch, 10. April 2013

Me Made Mittwoch am 10. April 2013

Guten Morgen, liebe MeMadeMittwoch-Teilnehmer_innen!

Kennt Ihr das, wenn man sich auf eine bestimmte Kleidungsstück-Kombination so sehr eingeschossen hat, dass man die Alternativen gar nicht mehr wahrnimmt? Das ging mir (Juli) so mit meinem Weihnachtskleid 2012, einer Vogue 8615-Variante. Die Stoffkombination aus einer dunkelblauen festeren Baumwolle und einem leichten weißen Stöffchen mit dunkelblauen Kringeln gefiel mir prinzipiell gut und trotz zahlreicher Fehler (siehe hier) im Prozess war ich mit dem Ergebnis in großen Teilen zufrieden. Nur der Rückenausschnitt, der war viel, wie zu groß geraten. Ich bin auch gar nicht so ein wahnsinniger großer Fan meines Rückens. Und usselig ist es im Winter zudem.

So blieb das Weihnachtskleid bis auf Heiligabend ausschließlich im Schrank. Mir fiel einfach nicht ein, wie ich es tragen sollte. An Heiligabend hatte ich es mit einer Strickjacke probiert, aber dadurch waren die Ärmel so verknuddelt, das fand ich auch nicht gut. Offensichtlich war ein Teil von mir aber nicht glücklich ob der sträflichen Missachtung des Kleides, denn immer wieder dachte ich über Kombinationsmöglichkeiten nach und probierte sie auch aus: Wickeljacke (Oberteil bauscht), gewickelter Bolero (zusätzliche Falten am Bauch), Pullunder (das war der Knaller! Alles verrutscht, geknuffelt, faltig und die Schultern blieben zum Teil immer noch nackt).

Dann irgendwann, endlich die Erlösung, die ich Euch heute präsentiere.



Ein türkises Kaufjäckchen vom Klamottenschweden, schon ein paar Jahre alt. Damals gab es sie in mehrere Farben und ich ärger mich immer noch, dass ich nur eine kaufte. Und türkis/rot ist spätestens seit dem Weihnachtskleid 2011 eine meiner absoluten Lieblingskombinationen.




Taschen <3 <3 <3



 




Hier noch mal der Beweis des riesigen Rückenausschnittes.







Mir gefällt auch, dass es ein bisschen so aussieht, als wären die Ärmel Teil des Jäckchens. 
Wenn Ihr versteht, was es sagen will?


Aber! Der Me Made Mittwoch ist ja nicht nur eine wunderbare Plattform zur Präsentation von selbstgenähter Kleidung, nein, Ihr seid ja auch meine Expert_innen. Also: kennt eine von Euch ein Schnittmuster zu diesem Jäckchen? Bubikragen, Empiretaille, Kräuselung? Falls Ihr was wisst, ich freu mich!

Ansonsten wünsche ich uns allen einen wunderbaren Me Made Mittwoch! Auf geht's!

Mittwoch, 3. April 2013

Me Made Mittwoch am 3.4.2013





Herzlich Willkommen im winterlichen April! Ich (Catherine von Cat-und-Kascha) nutze die seltene Gelegenheit, dass um diese Jahreszeit noch Schnee liegt , um mein neues Frühlingskleid unter einer sehr warmen neuen Strickjacke zu verstecken.

Die Jacke ist das Ergebnis des Heidi-Projekts, ein Knitalong, das mir sehr viel Spaß gemacht hat  - vor allem deshalb, weil die Gastgeberin Susa die Idee sehr lustig umgesetzt und kommentiert hat. Das Strickmuster ist aus der vorletzten Rebecca. Ich habe aber nur das Jaquardmuster nach der Anleitung gestrickt und die Form frei Hand - anscheinend eine ganz gute Entscheidung, denn die Originaljacke ist wohl eher sehr trachtig und etwas geräumig geschnitten. Die Wolle ist von Drops, eine 65% Wolle- 35% Alpaca Mischung namens Andes, die nicht kratzt und toll warm hält. 




Passend zur Jacke habe ich mir ein Frühlingskleid genäht mit 19 (!) klitzekleinen Perlmuttknöpfen. Das wird wohl eher kein Strandoutfit, denn wenn ich mit dem Knöpfen fertig bin, ist wahrscheinlich schon längst Ebbe. Der Schnitt ist Mc Calls 4769 und die Ärmel sind von einer 30er Jahre "Smooth Sailing" Kombi von Wearing History. Dieser Grundschnitt steht fast jeder Frau - beim letzten Nähkränzchen haben alle einmal das Kleid anprobiert und es sah immer toll aus. Ein Hemdblusenkleid braucht fast jede Frau (glaube ich) und dieser Schnitt will deine Freundin werden. Danke an Primavera, die ihn trotz eines grauenhaften Coverbildes für die Nähgemeinschaft entdeckt hat!


Ich freu mich auf eure frühlingshaften Winteroutfits bzw. eure winterlichen Frühlingssachen!