Mittwoch, 9. Oktober 2013

Me Made Mittwoch am 9. Oktober 2013



Hallo und herzlich willkommen beim Me Made Mittwoch am 9. Oktober 2013. Hier auf dem MMM-Blog wird Woche für Woche selbstgemachte Kleidung an echten Menschen gezeigt. Weiter unten gibt es eine Linkliste, in der du dich auch eintragen kannst, wenn du in deinem Blog Bilder von Dir und dem selbstgemachten Outfit zeigst und uns etwas dazu erzählst. Mein Name ist .meike, normalerweise blogge ich auf crafteln.de.




Mit ein bißchen Zähneknirschen zeige ich euch heute mein neues Kleid. Es ist weit davon entfernt,  perfekt zu sein und sich als neues Lieblingskleid aufzudrängen, da es einfach nicht gut passt. Trotzdem hoffe ich, dass möglicherweise trotz anfänglicher Skepsis meinerseits, sich das Kleid zu einem häufig getragenem Alltagskleid entwickeln könnte, da es durch den "Jeanslook" irgendwie unkompliziert ist.

Als ich vor ein paar Wochen in Dänemark diesen Jersey entdeckte, der wie ein Jeansstoff aussieht, sich aber wie Viskosejersey mit Kuschelfaktor anfühlt, mußte ich ihn einfach kaufen. Der Stoff flüsterte mir schnell, dass er genau so ein Kleid werden will, wie das Graue von Frau sewing addicted, in das ich seit dem MMM am 11.9. schockverliebt war. So eines wollte ich auch unbedingt haben, denn ich mag weder wallende, konturlose Kleidung, aber ich mag auch keine Gürtel. Immer wieder überlegte ich in den letzten Wochen, wie ich eine Taillenbetonung hinbekomme, ohne auf Bequemlichkeit zu verzichten. Ein Taillenband schien mir da eine gute Idee.




Bei der ersten Anprobe war ich sehr enttäuscht. Ich hatte den Schnitt aus der Knipmode 09/13 für mich vergrößert, da er dort nur bis Größe 46 geht. Da hatte ich wohl etwas zuviel des Guten getan! Irgendwo zwischen meinem veränderten Schnitt und dem Original liegt wahrscheinlich die Wahrheit. Auch muß ich zugeben, dass mir anscheinend keine Naturbegabung für das Kräuseln von Jersey in die Wiege gelegt worden ist. Das hätte ich besser hinbekommen können, hätte ich etwas mehr Zeit und Muße gehabt und das Kleid während des Nähens nicht mehrmals in die Ecke geworfen!

Wäre ich nicht so in den Stoff verliebt, wäre dieses Kleid ein UFO geblieben; ein unfertiges Objekt, das das Nähkarma belastet. Da der heutige Termin näher und näher rückte, an dem ich den MMM als Gastgeberin eröffne, blieb mir eigentlich gar nichts anderes übrig, als das Kleid tapfer fertig zu machen.




Leider ist mein neues Kleid leider eines dieser typischen verflixten Wickeldinger geworden, die zu weit aufgehen. Erst auf den Fotos sah ich, dass die scheinbar unsichtbaren Stiche, mit denen ich die Vorderteile verband, doch zu sehen sind. Ich denke, dass ich diese zusammenhaltenden Mogelstiche wieder auftrennen und in Zukunft das Kleid lieber mit etwas darunter tragen werde.

Die dunklen Farben sind noch sehr ungewohnt für mich, kann ich mich doch noch nicht ganz von den Sommerkleidern verabschieden. Aber da es morgens von den Temperaturen her schon sehr herbstlich ist, freue ich mich sehr an den murkeligen überlangen Ärmeln.




Wie geht es euch mit den dunklen Farben? Schon voll in der Herbst/Winter-Farbpalette angekommen?

Sonntag, 6. Oktober 2013

Kostüm Sew-Along Teil 3


 Willkommen zum dritten Teil unseres Kostüm Sew-Along. Inzwischen sollten laut Zeitplan die Jacketts von Außen soweit fertig und mit Schulterpolstern bestückt sein. Heute kümmern wir uns um das Innenfutter und die Knopflöcher - jetzt ist es nur noch ein klitzekleines Wegstück, bis ihr euer fertiges Jackett in den Händen haltet!

Solltet ihr noch nicht soweit sein, nicht verzagen - zeigt uns doch trotzdem euren Stand der Dinge, das gibt Elan und Ansporn, an dem Jackett weiterzunähen. Wir präsentieren ja erst in 4 Wochen, bis dahin ist noch viel Zeit. Vielleicht schiebt ihr auch einfach schon mal den Rock dazwischen, das ist ein gutes Erfolgserlebnis für Zwischendurch!

Mein Jackett (falls ihr auf Abwechslung durch ander MMM-Crewmitglieder wartet, muss ich euch enttäuschen: Ich bin`s immer noch, Catherine von Allures-und Couture - genau, ich leite den Sew Along einfach mal von A bis Zet ohne die anderen) sah vor zwei Wochen so aus. Eigentlich nähe ich ja zwei Kostüme, aber ich habe nur an diesem weitergearbeitet, das andere wird nicht gefüttert und ist damit für unser heutiges Treffen uninteressant.


Ich habe nach dem letzten #KSA Treffen die Innenbelege angenäht und so mittelmäßige Paspelknopflöcher gemacht. In Paspelknopflöchern war ich noch nie sonderlich gut und ich habe mir vorgenommen, jetzt so lange ganz oft welche zu machen, bis sie ein bisschen regelmäßiger werden.  Paspelknopflöcher müssen vor dem Füttern gemacht werden, weil sie am Außenstoff und am Beleg gemacht werden. Es sind also eigentlich (in meinem Fall) nicht drei, sondern sechs Knoflöcher. Die inneren habe ich aber einfach verstützt, damit der dicke Stoff an der Stelle nicht wulstig wird.

Ich finde die Anleitung von Sewing Galaxy sehr toll, probiert sie mal aus (Danke liebe SG!) Ich habe mir nach ihrem Tutorial eine Schablone gemacht, musste aber feststellen, dass mein Stoff zu dick für diese Methode ist. Aber ich hab die Schablone mit anderem Stoff getestet und die Methode funktioniert wirklich sehr gut und einfach.


Letztlich habe ich meine Knopflöcher doch durch Anzeichnen und rumtrennen und nochmal nähen fertig gemacht. So sieht es von innen aus. Mein Stoff fasert stark aus, deshalb habe ich am Oberstoff ein bisschen Einlage aufgebügelt. Die Zugaben habe ich vor dem Wenden natürlich noch zurückgeschnitten.


Noch mal en Detail, das Viereck ist schon gleichmäßig, aber die Paspelbreite ist nicht gleich. Ich habe aber aufgrund der Stoffstruktur darauf verzichtet, das Ganze noch mal aufzutrennen, das wird dadurch nicht unbedingt schöner.


Die Knopflöcher sind fertig und bei meinem Schnitt sind auch im Futterteile die unteren Schnitteile aus Oberstoff (beim Suit Jackett auch) das ist einfacher zu füttern, weil das Futter ruhig ein bisschen größer ausfallen darf, ohne dass es unten hervorblitzt.

Hier ist jetzt das Futter zusammengenäht, bei diesem Schnitt identisch zum Oberstoff, also mit sehr vielen Schnitteilen. Die Nähte schön ausbügeln, damit es sich gut anschmiegt! Leider ist das Licht nicht so gut, ich habe diesen Teil abends genäht.


An einem Ärmel wird ein Stück der Naht offen gelassen, dadurch wird das Jackett nach dem Futter einnähen gewendet.

Wichtig ist auch die Bewegungsfalte am Rücken. Ich fixiere sie zum Einnähen immer noch mit ein paar Stichen etwas unterhalb der eigentlichen Nahtlinie, weil sich Futter so schnell verzieht. Die Naht trenne ich dann am Ende einfach wieder auf.

Jetzt wird das Futter rechts auf rechts auf den Jackettkorpus genäht, das sieht dann so aus:

Am Besten wendet ihr jetzt noch mal durch den Ärmel und testet die Passform. Das Futter darf nicht spannen (leichter gesagt als getan, ich musste noch nachbessern).

Wenn es gut passt, könnt ihr die Ärmel füttern. Ihr dreht das Jackett auf links, so wie oben. Dann sollten sich Stoffärmel und Futterärmel gegenüberliegen, als würden sie sich gleich guten Tag sagen.


Jetzt wird der Futterärmel umgeschlagen. Er sollte übrigens ein bisschen - nicht zu viel - kürzer sein, als der Stoffärmel, dann schiebt sich nach dem Wenden die Nahtzugabe schön nach Innen.


 Das umgestülpte Futter wird jetzt rechts auf rechts in den Ärmel eingenäht. Wenn das Futter ein bisschen weiter ist, als der Ärmel könnt ihr einfach das Futter leicht einhalten. Schlecht ist nur, wenn der Oberstoff enger ist als das Futter.

Euer Jackett sieht jetzt so aus:


Noch mal die Ärmel.


 Jetzt die Nahtzugaben etwas zurückschneiden und durch das Loch im Ärmelfutter das Jackett auf rechts wenden.


Euer schönes Jackett sieht in diesem Moment aus wie eine prall gestopfte Wurst.


Aber schon eine Minute später ist aus eurer Wurst ein wunderschöner Schmetterling geworden!

Jetzt bügelt ihr das Jackett ordentlich aus, steppt ab, was abzusteppen ist und näht die Knöpfe an. Voilá! Ihr habt ein Jackett! Herzlichen Glückwunsch!!
Meins zeige ich natürlich noch nicht, das spar ich noch fürs große Defilee auf, aber ich kann schon mal sagen, ich finde es nicht übel.

Wir weit, zufrieden oder fertig (so oder so) ihr seid, teilt es mit uns!


Mittwoch, 2. Oktober 2013

Me Made Mittwoch am 2. Oktober 2013




Was? Schon wieder Frau Kirsche? Ja, aber nur ausnahmsweise an dieser Stelle im MMM-Reigen (wir folgen da ja einer strikten Reihenfolge), weil Melleni leider verhindert ist. Natürlich ist ab dem Zeitpunkt, ab dem ich der MMM-Crew schrieb, dass ich den heutigen Termin übernehme, alles schief gegangen, was so schief gehen könnte, inklusive entzündetem Trommelfell und Auto gegen den Poiler setzen, deswegen verzeiht den etwas uninspirierten Text - das blöde real life pfuscht sich in mein Nähbloggerinnen-Leben und ICH MÖCHTE DAS NICHT!

So. Nun aber zum Wesentlichen, dem Nähen. Im Juli brauchte ich ein Anlasskleid. Es gab einen beruflichen Termin, ich sollte irgendwie formal aussehen, wollte aber nicht im Hosen-Anzug auflaufen und den Kostüm Sew-Along gab es da noch nicht. Außerdem nähte ich kurz entschlossen, sehr kurz entschlossen, deswegen sollte es etwas sein, das ich gut kann, das schnell geht und das sich mit einem Petticoat kombinieren lässt. Und zack, es war klar, es musste das Knip-Weihnachtskleid (Knip, Ausgabe September 2011) sein, das ich bereits in diversen Ausführungen besitze (z.B. hier und hier*). Dieses Mal sollte es schwarz werden, quasi als Ausgleich für den Auftritt mit Petticoat. Den Stoff besorgte ich kurz entschlossen im Geschäft um die Ecke, Qualität und Preis sind vergleichbar mit dem Baumwollleinen von Stoff und Stil. Man kann es kaum sehen, bei den anderen Versionen ist es deutlicher, aber in das Oberteil und zwischen Ober- und Rockteil werden Paspeln eingesetzt. Ich habe dafür dunkelgraues Schrägband genommen. Mit der Wahl war ich ab dem ersten Moment unzufrieden, aber ist jetzt so. Fällt sonst vermutlich auch keinem auf, wie unfassbar bescheuert diese Idee war ;-)








Hier noch ein Bild, das klappt ja prima mit den Selbstauslöser-Photos vom schwarzen Kleid...



Um mich für den Sew-Along zu motivieren, habe ich das Kleid mal mit zweien meiner gekauften (äbah! Pfui!) Blazer kombiniert.








Und hier noch ein dunkelgrauer, aus der Mad Men-Kollektion einer amerikanischen Bekleidungskette, gekauft bei über 40 Grad in Las Vegas...




Aber, ich gebe zu, aus dem Haus gegangen bin ich dann doch wieder mit Strickjacke, und zwar so:




Lieber Blazer-Trägerinnen, wie macht Ihr das denn, wenn es kalt ist? Mein Mantel passt nicht über den Blazer, aber frieren möchte ich deswegen ja auch nicht. Also: her mit den Tipps!

Bevor es aber losgeht mit Euren Beiträgen folgt hier noch ein kleiner Aufruf:

Alex, Miriam und Susi planen ein Nähwochenende im Januar, eine tolle Idee, die wir hier gerne ein wenig promoten wollen. Ein ganzes Wochenende mit Nähbloggerinnen, Maschinen, Stoffen, Schnitten und jeder Menge Gesprächen. Das wird bestimmt ein großer Spaß! Auf den jeweiligen Blogs findet Ihr weitere Infos!





Aber jetzt: her mit Euren Beiträgen! Auf gehts's!


* Unglaublich. Ich suche nach dem passenden Link und hab schon wieder diesen Ohrwurm. "Da traf ich sie und sah in ihre Augen...." Schluchz. Hoffentlich geht das gleich wieder weg.

Mittwoch, 25. September 2013

Me made Mittwoch am 25. September 2013


Willkommen zum ersten Me made Mittwoch im kalendarischen Herbst! Ein Blick auf die Wetterkarte verrät, dass es im Süden durchaus noch Sonne und spätsommerliche Temperaturen gibt - hier in Berlin hat es gestern den ganzen Tag geregnet und in der Mittagspause schnitten wir den ersten Honigkuchen des Jahres an. Ich (Lucy/Nahtzugabe) trage ein Kleid aus dickem hellgrauen Jersey mit petrolblauen Punkten, das schon vor einigen Wochen fertig wurde.

Mit den Jerseykleidern ist es ja wohl so ähnlich wie mit Rosinen im Käsekuchen: entweder man fliegt total drauf und kann sich einen Käsekuchen ohne Rosinen respektive ein Leben ohne Jerseykleider gar nicht vorstellen, oder man nimmt die Rosinen halt in Kauf und findet Jerseykleider zwar tragbar, aber nicht begeisternd.


Ich zähle mich zur Webwarefraktion (und ohne Rosinen, bitte), denn ich besitze nur noch ein weiteres gekauftes Jerseykleid, das ich nicht oft anziehe, dachte bei diesem Stoff aus meinem Lager aber: Probier es einfach mal, so viele Leute nähen und tragen Jerseykleider, vielleicht ist ja doch was dran.


Der Schnitt ist eine gefrankensteinte Kombination aus einem Brigitte-Schnitt von 1973 (Oberteil) und dem Rockteil des kostenlosen Jerseykleidschnitts Vichy, Ärmel- und Ausschnittbündchen aus einfarbig grauem Jersey. In der Naht zwischen Oberteil und Rockteil ist ein grauer Jerseystreifen so wie eine Paspel mitgefasst. Vichy fällt klein aus, aber das wisst ihr sicher alle schon!


Das ist der Oberteilschnitt, eigentlich ein gerades Jerseykleid mit Raglanärmeln. "Brigittes schneller Schnitt" war eine Serie in der Brigitte etwa zwischen 1971 und 1974, in jedem Heft gab es ein Schnittmuster für die einzelnen Teile einer Grundgarderobe. Auf der Rückseite der vierfach gefalteten Beilage ist der Schnittbogen und die Anleitung, auf der Außenseite wurde das Modell aus verschiedenen Stoffen und mit ein paar Schnittvariationen gezeigt.


Das Oberteil ist eine gute Entdeckung, der Schnitt sitzt bei mir im Schulterbereich erheblich besser als ein Raglanschnitt aus einer älteren Ottobre, den ich kürzlich auch ausprobiert hatte. Weil ich nur 1,60 m Stoff hatte, musste ich das Rückenteil mit Mittelnaht zuschneiden. (Der komische schwarze Streifen, der auf allen Bildern am Ausschnitt aus dem Kleid rausguckt, stammt von dem schwarzen Tshirt, das ich darunter trage. Ich bemerkte erst eine Stunde nach den Fotos, dass ich es verkehrtherum - Rückenteil nach vorne - angezogen hatte. Witze über zerstreute Wissenschaftler dürfen gerne in den Kommentaren hinterlassen werrden!)


Wenn ich dann rausgehe, trage ich noch eine schwarze Strickjacke dazu, vor einigen Jahren selbstgemacht nach einer Anleitung von Für Sie, die leider nicht mehr online verfügbar ist. Und noch ein paar Punkte in Form eines stoffbezogenen Buttons.

Das Jerseykleid- Tragegefühl finde ich jetzt übrigens ganz in Ordnung. Ein bißchen irritierend ist höchstens, dass sich die obere Körperhälfte mit Strickjacke ziemlich angezogen anfühlt, die untere Körperhälfte aber nicht, trotz Unterrock aus flutschigem Wirkfutter und Strumpfhosen. Aber wenn ich die Bilder anschaue - es ist ja  immer gut, die eigenen Sachen mal quasi von außen zu sehen - dann gefällt mir das Kleid. Wenn ich das Tshirt richtig herum anziehe so dass man es nicht sieht, und statt Strickjacke vielleicht einen dunklen Blazer dazu trage, könnte ich es mir auch für formellere Anlässe als Schreibtischsitzen vorstellen - trotz Jersey und trotz Punkten.
  

Und bei euch? Noch Spätsommer oder schon Frühherbst? Jersey oder Webware? Zeigt es uns! 

Sonntag, 22. September 2013

Kostüm Sew-Along Teil 2:



Willkommen zum 2. Teil unseres Sew Along! Ich habe mich inzwischen für ein Modell entschieden, ich nähe diesen Schnitt aus einem sehr weichen violetten Wollstoff.


Beides ist aus meinen Vorräten, so wie ich es mir vorgenommen hatte. Ganz leicht ist mir die Entscheidung nicht gefallen, nachdem ich die wunderschönen und vielfältigen Ideen in euren Blogs gesehen habe! Geht es euch auch so, dass gerade bei Sew-Alongs die Kirschen (resp. die Schnitte und Stoffe) in Nachbars Garten immer viel süßer aussehen, als die eigenen? Gerade wenn ich Sew-Along-Gastgeberin bin fremdel ich eigentlich immer zwischendrin mit den von mir gewählten Modellen. Auf dieses Kostüm bin ich schon sehr gespannt, denn die 60er sind eigentlich ein Jahrzehnt, das mir nicht so gut steht. Aber die Silhouette könnte in diesem Falll doch ganz schön aussehen. Welchen Rock ich mache, entscheide ich, wenn das Jackett fertig ist, ich liebäugel ein bisschen mit der schmalen Variante.

Was steht diesmal auf unserem #KSA Programm?  Der Plan sagt: "Heute lenken wir uns mit dem Zwischenstand zu unseren Jacketts von der Bundestagswahlanspannung ab! Wir besprechen knifflige Detailfragen und gucken uns die Passform an. Außerdem setzen wir die Schulterpolster ein."
Aha und soso. Ich habe beim Zuschnitt meines Jacketts festgestellt, dass es sich um ein ungefüttertes Jackett handelt. Im Prinzip kann man in so einem Fall einfach selbst ein Futter  zuschneiden und einpassen, das habe ich auch schon mehrfach so gemacht. Dies Jackett hat kleine Schlitze im Vorderteil, selbst das kann man z.B. durch Faltenböden lösen. Ich habe aber beschlossen, nicht zu füttern, der Stoff ist auch so schon sehr warm und dick. Das ist der Zwischenstand, sieht ziemlich langweilig aus. Aber der Clou ist ja der Ausschnitt, und mit dem habe ich noch nicht angefangen.


Die Nähte habe ich jetzt mit einer Art schlampigen Hong-Kong-Finish versäubert. Ich hatte nicht mehr genug Schrägband für alle Nähte und habe an den Seiten und an den Schultern die Nähte zusammengefasst versäubert. Ich hab ja nie einen Hehl daraus gemacht, dass es mir nicht um Couture geht, sondern vorwiegend darum, im Rahmen meines Zeit-, Lust- und Finanzbudgets etwas zufriedenstellend fertig zu bekommen. Und da muss dann manchmal Hong-Kong-Finish zu Kreuzberg-Finish werden. Die Abnäher habe ich aber einigermaßen ordentlich gemacht (sind noch nicht fertig, das wird noch etwas schöner).

Ach ja, falls ihr euch fragt, was das denn für ein putziges Wohnzimmer ist, mit diesen bunten Puscheln, das trägt man als Berliner Wohnzimmer in diesem Herbst so. Haha! Oder mein Sohn hatte Geburtstag, kann auch sein :)



Wars das von mir? Das ist doch gemogelt,heute gehts doch um Passformgeschichten und Schulterpolster und da zeigt sie einen lila Kasten ohne alles! Och nö und so! Aber wie eine gute Fernsehköchin hab ich da noch was für euch vorbereitet (stellt euch vor wie ich 5 Sekunden nach dem reinschieben einen knusprig fertigen Braten aus dem Ofen wieder raushole)! Mir ist das nämlich auch aufgefallen und deshalb (und wegen der süßen Kirschen s.o.) habe ich letzte Woche auch noch Vogue 7801 angefangen. Die Twitternähnerds würden mir an dieser Stelle (spätestens) ein #unsympathischeangeberei anhängen. Aber ich tu`s natürlich nur für euch!

Die ganze letzte Woche habe ich sehr diszipliniert, ob müde oder nicht, sicherlich mehr müde als nicht müde, jeden Abend eine Folge Grey`s Anatomy (Spätzünder! Bin erst in Staffel 3) geguckt und dabei das Vogue Jackett genäht. Inzwischen sieht es so aus:

Und deshalb kann ich euch jetzt auch zeigen, wie ich Schulterpolster einsetze. Aber immer daran denken, ich mache die Kreuzberg Variante und habe keinen großen Couture Anspruch. Ich habe nämlich keine Ahnung, was Lehrbücher über Schulterpolstereinsetzen sagen und ganz ehrlich gestanden interessiert es mich auch nicht so brennend, weil ich mit meiner Variante ganz prima zurecht komme.


Das sind Schneiderschulterpolster. Sie sind weich, wattig und ziemlich groß. Sie sind gegengleich, also vorn kürzer und hinten länger.

Und wo wir bei Material sind, das hier ist die Gewebeeinlage, die ich benutzt habe. Das Gewebe ist so eine Art Batist überzogen mit bügelbarem - ja was?  - Kleezeug, ihr wisst schon. Diese Einlage ist für Jacketts sehr zu empfehlen.


Hier haben wir die Stelle für das Schulterpolster. Ich muss in der Regel die Schultern 2-3cm verschmälern. Meistens muss ich die Taille auch ein bisschen enger nähen und dafür an den Hüften ein bisschen was zugeben. Im Oberbrustbereich ist bei mir auch oft viel Stoff, da nehme ich am vorderen Armausschnitt ein bisschen was weg. Nach diesen Änderungen passt der Rohling gut und jetzt werden die Schulterpolster eingepasst.


Hier sieht man, dass das Schulterpolster viel zu groß ist. Also wird beherzt abgeschnitten.

 In meinem Fall sieht das dann so aus. Die Form sollte einigermaßen erhalten bleiben, hinten länger als vorne. Das Schulterpolster sollte nicht ganz bis an den Kragen reichen, das wird dann etwas unbequem (sagt Kreuzberg, was Paris dazu sagt k.A.).


Süß, so klein wie es jetzt ist, oder?


Jetzt habe ich leider kein Bild, wie es eingenäht ist - vergessen. Sorry. Es ist mit leichten Stichen außen entlang der Ärmelnahtzugabe angenäht und an der Schulternaht nur mit zwei, drei lockeren Stichen fixiert.
Auf links gedreht sieht das Jackett jetzt so aus:



Ich bin sehr neugierig, wie der Stand der Dinge bei euch ist!! Bei einigen habe ich schon von kleineren und größeren Kämpfen gehört - bevor wir angesichts der knappen Wahlumfragen aufgeregt vom Hocker kippen befassen wir uns doch lieber ebenfalls wichtigen Sachen wie Passform, Modellwahl und euren Fortschritten!