Mittwoch, 28. August 2013

Me Made Mittwoch am 28.8.2013

Herzlich willkommen liebe MMMs!
Ich freue mich, Euch heute gut erholt wieder zu einem Mittwochs-Defilee in selbstgemachter Kleidung begrüßen zu dürfen.
Ich bin Wiebke vom Blog Kreuzberger Nähte und zeige an dieser Stelle sonst bevorzugt schwarze Jerseykleider.

In der Sommerpause war hier auf dem MMM-blog nicht viel los, aber Anna von Nähen und Ernten bot auf ihrem blog eine Alternative.

Die wichtigste Nachricht für den heutigen Tag gleich vorweg: Nicht der Sommer, nur die Sommerpause ist vorbei!
Es sind ja sogar in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, sowie in ganz Österreich und im Süden und Westen der Schweiz noch Schulferien.(In Sachsen-Anhalt sind genau heute die Ferien zu ende). Und zwar nicht irgendwelche Ferien, sondern genau: die Sommerferien!!

Ich betone das so hier so ausdrücklich, weil ich euch das Kleid zeige, das ich gestern getragen habe, als es fast schon grenzwertig kühl war für solch ein luftig-leichtes Sommerkleid. 


Es handelt sich hier um ein Kleid, welches ich anlässlich eines Nähkränzchens am 15.6. zugeschnitten und an ebenselbem Kränzchen weitestgehend fertig genäht hatte.
Aber eben nur weitestgehend, es fehlten noch vermeintliche Kleinigkeiten wie Ärmelabschluss, Saum, 12 Knöpflöcher und die Abnäher für die Passform.
Also blieb das gute Stück hängen, fügte sich dekoraitv wunderbar in die heitere Stimmung dieses Sommers ein. Und hing. Und hing während ich Sommerrröcke, Shirts und sogar einen Badeanzug nähte

Das alles entscheidende Fertigstellungshemmnis schien mir die große Biederkeitsgefahr zu sein: die mädchenhafte cleane Optik, der etwas zu steife, übermächtige Kragen. Das konnte selbst dieser Stoff mit seinem absurden plakativen Dessin nicht komplett aufheben. (Weitere Verwandlungen dieses Stoffs könnt ihr übrigens  hier und hier sehen)


Nachdem ich das Kleid nun endlich doch noch fertiggestellt habe, kann ich meine Bedenken bzgl. der Biederkeitsgefahr nach wie vor verstehen, ärgere mich aber gleichzeitig sehr, dass ich dieses wunderbar luftige Sommerkleid im Hochsommer nicht zur Verfügung hatte. Nicht nur braucht das Stoffdessin Sonne, auch der Schnitt bedarf eines schlichten Stylings. Eine Kombination mit herbsttauglichem Beiwerk erscheint mir fast unmöglich.

Drn Schnitt wird einigen von euch bekannt vorkommen, es ist derselbe wie der von Lucys Himmelfahrtskomandokleid, das unter #nähnerds liebevoll als "das 400 €-Kleid" bezeichnet wird. Hier bei der Himmelsfahtskommando B-Premiere von ihr vorgestellt.

  Burda 6/2008 Modell 115

Das tolle an diesem Schnitt ist die erstklassige Passform an der Schulter und am Ärmel. Ich kann meine Arme hier -auch ohne irgendeinen Stretchanteil- bequem in alle Richtungen bewegen und das sogar ganz ohne Schnittänderungen.


Das ist ein tolles Gefühl, selbst wenn der leichte Gummizug oberhalb der Taille dazu führt, dass ich immer mal wieder zubbeln muss.  Aber das stört mich bei einem leichten Baumwollsommerkleid nicht so sehr.


Und ihr so? Plant ihr schon Herbstkleidung, alpines Strickwerk für das Jodel-Kollektiv oder auch die Teilnahme am Kostum-Sew-Along?  Oder hängt ihr -so wie ich- noch eurer Sommerkollektionskomplettierung hinterher? 
Zeigt euch und eure aktuelle Kreation und verlinkt euch!

In den letzten Wochen haben wir hier über den Stand der MMM-Adventsspendenaktion berichtet.  Habt ihr euch schon angeschaut was aus dem gespendeten Geld wurde? (hier und hier)

Donnerstag, 22. August 2013

Kostüm Sew-Along: Anmeldung!



Heute morgen sah ich tatsächlich die ersten leicht gelb leuchtenden Blätter an der Linde vor unserem Haus - der Spätsommer ist da und dann ist wohl auch der Herbst nicht mehr weit! Und was trägt sich schöner im Herbst, als ein Kostüm? Morgens ist es kühl: Mit Jackett, Schal oder Tuch und Stiefeln geht es raus. Mittags wärmt die Sonne? In Bluse und Rock kann man im Cafe sitzen und die Herbstwärme genießen. Ein Kostüm ist das perfekte Kleidungsstück für die Übergangsjahreszeiten. Ob man es lieber sportlich, elegant oder verspielt mag - für jeden Geschmack gibt es viele Möglichkeiten! Wer keine Röcke mag ist auch herzlich eingeladen, sich einen Hosenanzug oder ein passendes Kleid zum Jackett zu nähen. Ob du Anfängerin bist oder Fortgeschrittene, ob du schon Jacketts genäht hast oder nur davon geträumt hast: Mach mit! Meiner Überzeugung nach sollte man genau das nähen, was man haben will und wenn es eine Herausforderung ist: Um so besser!

Unser Plan:

Wir beginnen am 8. September mit der Vorstellung unseres Traumschnitts und des passenden Stoffs. Die Jagd beginnt jetzt! Wer bis dahin den perfekten Schnitt oder die geniale Stoffquelle noch nicht gefunden hat, kann sich hier inspirieren lassen! Futterstoff, Knöpfe und Schulterpolster nicht vergessen!

Am 22. September lenken wir uns mit dem Zwischenstand zu unseren Jacketts von der Bundestagswahlanspannung ab! Hier besprechen wir knifflige Detailfragen und gucken uns die Passform an. Außerdem setzen wir die Schulterpolster ein.

Am 6. Oktober haben wir die Jacketts genäht und setzen spätestens jetzt das Futter ein und wagen uns an die Knopflöcher.

Am 20. Oktober kümmern wir uns um den Rock (oder die Hose) und sind froh, dass wir das Schwierigste bereits hinter uns gelassen haben. Der Rock ist im Vergleich zum Jackett schließlich nur noch ein Klacks!

Am 3. November haben wir unser Kostüm hoffentlich schon ausführlich getragen und präsentieren die schönsten Tragefotos. Sewalong-Streber tragen zu dieser Gelegenheit auch eine passende selbstgenähte Bluse oder ein Shirt!


Ich freu mich auf euch!

P.S. Warum treffen wir uns hier im MMM Blog und nicht bei mir im Allures-und-Couture Blog? Die MMM Crew möchte diesen Blog mit Sewalongs ein bisschen stärker nutzen und beleben, als bisher. Deshalb könnt ihr euch nach dem Kostüm Sew-Along auch auf ein Weihnachtskleidnähen mit Katharina als Gastbloggerin freuen! Habt ihr Sew- oder Knit-Along Wünsche? Immer her damit!

Donnerstag, 15. August 2013

Ihr spendet- wir singen: Die Berber-Sticktechnik in Bildern

Bei unserem Treffen vor einigen Wochen (hier hatten wir darüber berichtet) zeigte uns Andrea Kolb von der Abury-Foundation nicht nur die fertigen Produkte und Probestücke, sondern erklärte uns auch, wie die traditionelle Berber-Sticktechnik funktioniert.

Die folgenden Fotos, auf denen der Stickmeister von Mohamed Smyej bei der Arbeit fotografiert wurde, hat uns die Abury-Foundation zur Verfügung gestellt.

Zunächst wird eine Art Prägestempel erstellt, mit welchem die auszustickenden Muster später auf das weiche Leder übertragen werden können.
Auf eine flexible Trägerplatte wird dafür eines der Muster aufgezeichnet, darüber Kleber verteilt:

Dem aufgezeichneten Muster akkurat folgend wird eine Schnur in die Kleberschicht eingelegt und angedrückt. So entsteht ein immer wieder verwendbares Präge-Model:

Das tolle weiche Leder für eine Tasche oder (wie hier) eine i-Pad-Hülle wird zugeschnitten: 

Die zuvor beklebte Präge-Platte wird nun mit der Schnurseite auf das Lederstück aufgelegt und das Muster mit Druck in das Leder eingeprägt:


Die Umrisslinie des Musters erscheint gut sichtbar auf dem Leder:


Das Lederstück wird nun in einem speziellen Werkzeug, einer Art Holzzange, zwischen den Knien eingeklemmt fixiert und das eingestanzte Muster ausgestickt.
Als Stickgarn wird die sogenannte Kaktusseide (eine Faser der Agave) verwendet, die einen seidenartigen leichten Schimmer hat.
Diese Fasern müssen während des Stickens ständig mit der fadenführenden Hand gleichmäßig in sich gedreht werden: 


Die Stickarbeit ist fertig und alles kann zu einem fertigen Stück zusammengenäht werden:



Man sieht den fertigen Produkten die Fingerfertigkeit und das handwerkliche Können an: Je gleichmäßiger gestickt und sorgfältiger das Garn gedreht wurde, umso schöner kommt das Muster zur Geltung.

Montag, 15. Juli 2013

Ihr spendet - wir singen: Stand der Aktion ein halbes Jahr danach

Ihr erinnert euch sicher an die Spendenaktion in der Adventszeit hier im Me-made-Mittwoch-Blog: Wir sammelten für die Ausbildung marokkanischer Berberfrauen als Stickerinnen und Näherinnen, mehr als 4000 Euro kamen Dank eurer Hilfe dabei zusammen. Nun, ein gutes halbes Jahr später, trafen wir uns in Berlin mit Andrea Kolb, der Gründerin der Abury-Foundation und ließen uns zeigen, was aus unseren Spenden geworden ist.
Mit solchen alten Berber-Ledertaschen fing einmal alles an
Heute stellen die Stickerinnen für Abury diese tradtionellen Taschen neu her
Seit diesem Frühjahr lernt dank unserer Spendengelder eine neue Gruppe von acht Frauen das Sticken und die Weiterverarbeitung des Leders. Es werden immer nur so viele Frauen ausgebildet, wie später auch in festen Arbeitsverhätlnissen mit Verträgen beschäftigt werden können.Die Frauen sind sehr unterschiedlich, zwischen 16 und 45 Jahre alt, viele haben Kinder und eigene Familien. Die Entscheidung, welche Frauen mit der Ausbildung beginnen dürfen, überließ Andrea der Dorfgemeinschaft. So ist dafür gesorgt, dass eine Auswahl zustande kommt, die von den Leuten vor Ort als gerecht angesehen wird.

Foto: Andrea Kolb

Mit Hilfe unserer Spenden wurde nicht nur diese neue Klasse eingerichtet, die Stiftung konnte zusätzlich auch einen sehr kompetenten professionellen Stick-Meister als Lehrer neu einstellen. Die Frauen akzeptieren ihn und sein Können. Somit kann er die Stickschülerinnen gut motivieren, auch wenn es darum geht, die hohen Qualitätsanforderungen zu erreichen.

Fotograf: Mohamed Smyej, mit freundlicher Genehmigung von abury.org
Jede der Schülerinnen bekommt zu Beginn der Ausbildung die gesamte Grundausstattung von der Abury-Foundation gestellt, wie z.B. einen Stuhl, Material und Werkzeug sowie das Holzteil, in das man das Leder zum Besticken einspannt. 

 Foto: Andrea Kolb

Andrea zeigte uns nicht nur die wunderschönen bestickten Taschen und Accessoires (die in echt noch viel schöner sind, als jedes Foto vermitteln könnte), sondern auch Probestücke der Schülerinnen, damit wir einen Vergleich zu den Taschen für den Verkauf haben und eine Vorstellung bekommen können für das große Können, das für die Herstellung dieser hochwertigen und sehr überzeugenden Produkte nötig ist.

Bei der Taschenklappe rechts wurde das Muster am Anfang nicht richtig übertragen - die Stickerin zeichnete sich die Umrisse deshalb einfach mit Kugelschreiber vor
Gut und nur fast gut: die obere Tasche geht in den Verkauf, die untere nicht

Man sieht daran gut, dass handwerkliche Perfektion und auch das Erkennen eigener Fehler erst das Ergebnis von viel Übung ist. (Wer von uns hat diese Erfahrung noch nicht gemacht?) Mal sind die Stickstiche nicht ganz gleichmäßig, zu weit voneinander entfernt oder zu eng beisammen, mal ist der Stickfaden – ein glänzendes Material, das in Marokko „Kaktusseide“ genannt wird – zu stark gedreht, mal werden die Konturen des Musters von der Stickerei nicht komplett abgedeckt. Über die Stickereitechnik gibt es hier demnächst noch einen gesonderten Post.

Die Rückseite der Probestücke: das Leder ist mit Jeansstoff verstärkt, und der Name der Stickerin steht darauf

Mit einer dreimonatigen Ausbildung, wie ursprünglich gedacht, ist es nicht getan, das stellte sich mittlerweile heraus. Die Schülerinnen brauchen ungefähr ein Jahr, bis die Stickereien ganz perfekt und gleichmäßig sind. Diese handwerkliche Qualität ist wiederum die Voraussetzung, dass die Sachen bei uns zu einem Preis verkauft werden können, mit dem die Arbeit der Stickerinnen auch wertgeschätzt wird. Eine Stickerin arbeitet ungefähr eine Woche an einer Tasche. Kleinere Produkte können in 3 Tagen hergestellt werden. Es geht in diesem Projekt nicht darum, Dinge herzustellen, denen man den "guten Zweck" ansehen kann und die man letztlich nur kauft, weil sie günstig sind und einen wohltätigen Zweck verfolgen, sondern umgekehrt: Die Taschen, Tablet- und Handyhüllen sollen so schön und hochwertig sein, dass die Käuferin sie gerne haben möchte. Dass damit eine Würdigung der Handarbeit sowie den Frauen im Süden Marokkos eine wirtschaftliche Perspektive geboten wird und gleichzeitig ein altes Berber-Handwerk, für das es kaum noch Nachfrage gab, bewahrt wird, kommt alles noch als Bonus obendrauf.


Wie ging und geht es nun weiter? Nach der dreimonatigen Ausbildung kamen "unsere" Stickschülerinnen jetzt in eine Art Fortgeschrittenenklasse, in der sie Ihre erlernten Fertigkeiten durch viel Übung vertiefen. Sie erhalten bereits ein Gehalt. Nach und nach bekommen sie dann feste Arbeitsverträge mit einer Art Sozialversicherung, wie die Absolventinnen der vorherigen Stickklasse auch. Sie verdienen dann umgerechnet 10 bis 15 Euro pro Tag bei einer Arbeitszeit von 4 Stunden täglich, und das in einer ländlichen Region Marokkos, in der es so gut wie keine Verdienstmöglichkeiten für Frauen gibt. Insgesamt fließen 50% der Erlöse des Verkaufs der Taschen zurück in die Region und werden dort zum Nutzen der gesamten Bewohner eingesetzt.
Im kommenden Frühjahr wird eine neue Anfängerinnenklasse mit 7-8 Teilnehmerinnen eingerichtet werden können.

Der Raum der Stickschule wird nachmittags als Schule genutzt, dort unterrichtet ein Lehrer Lesen und Schreiben. Diesen Alphabetisierungs-Unterricht können alle Frauen und Kinder des Ortes besuchen, nicht nur die Stickerinnen. So profitieren nicht nur die Frauen und ihre Familien von dem Projekt, die unmittelbar angestellt sind, sondern letztlich die ganze Region.
Fotos: Andrea Kolb

Wir danken euch nochmal sehr herzlich für eure Spenden und eure Unterstützung und sollen euch vor allem auch von Andrea herzliche Grüße und ein dickes Dankeschön übermitteln. Sie ist nach wie vor begeistert und gerührt von unserem Engagement und von dem, was die Gemeinschaft des Me-made-Mittwoch auf die Beine gestellt hat.

Mittwoch, 26. Juni 2013

Der letzte MMM vor der Sommerpause



Hallo und herzlich willkommen zum letzten Me Made Mittwoch vor der Sommerpause. Da die Crew etwas Sommerfrische nötig hat und auch ihr sicherlich mit Euren Lieben auf Balkonien oder ganz woanders den (noch steigerungsfähigen) Sommer genießt, machen wir, wie in den letzten Jahren auch eine Sommerpause und sehen uns dann frisch erholt und schön gebräunt am 28. August wieder.



Die eher mäßigen Temperaturen, diese Woche, kommen mir ganz gelegen, um meinen Petticoat, der wahrlich nichts für heiße Tage ist, mal wieder auszuführen. Dafür brauchte ich natürlich ein neues Kleid!

In den letzten Tagen habe ich viel darüber nachgedacht, wie viele Kleider ich eigentlich "brauche" und wie es bei mir mit dem Nähen weiter geht. "Brauchen" ist sowieso relativ, das kennt ihr alle, aber ich schwanke in meiner Näh-Begeisterung zwischen alltagstauglichen, bequemen und vor allen Dingen auch schnell genähten Jerseykleidern und aufwendigeren Kleidern bzw. Kleidungsstücken mit Kragen, Einlage aufbügeln, Knopflöchern und Pi Pa Po. Schnelle Erfolgserlebnisse sind toll, aber ein bißchen "Zähne ausbeißen" und hinterher stolz darauf sein, gehört für mich als Nähnerd irgendwie auch dazu. (Schon den ultimativen Nähnerd-Test bei Frau Nahtzugabe gemacht?)

Mein aktueller Lieblings-Feind meine aktuelle Näh-Herausforderung ist seit ein paar Wochen das Hemdblusenkleid von McCalls 4769. Während ich nonchalant bei Jerseykleidern dazu übergegangen bin, Anleitungen nicht zu lesen (weil sie sowieso meist auf holländisch, aus der Knip Mode sind), mußte ich bei dem Hemdblusenkleid feststellen, dass es doch sinnvoller wäre, mich ein wenig tiefer in die Materie einzulesen - sei es die ach so kleinen Bildchen auf der Anleitung genauer zu betrachten und mir mit dem englischen Text Mühe zu geben oder mal zu googlen, was ich unter "McCalls 4769 Kragen" oder "McCalls collar" so finde oder aber auch allgemein, mich mal theoretisch mit dem Thema Reverskragen zu beschäftigen. Natürlich war ich nicht die erste, die Probleme mit dem Kragen hat. Hier fand ich (via Mema) ein gutes englisches Tutorial und auch Frau Paspel herself, Lotti, schrieb netterweise auch noch eine hübsche Foto-Love-Story dazu. Ich mache jetzt so lange Reverskragen, bis ich irgendwann mal ein zufriedenstellendes Ergebnis produziere. Ha! Irgendwann schaffe ich das!




Mein zweites Hemdblusenkleid nach dem Schnitt ist besser geworden, als mein Erstes - es ist aber noch weit davon entfernt, dass ich es als gut genäht und auf Maß geschneidert bezeichnen würde. Der Kragen brauchte einige korrigierende Hand- und Hilfsstiche, um inklusive Beleg einigermaßen so zu sitzen, wie er er soll (von den kleinen Fältchen ganz zu schweigen) und mit den Ärmeln bin ich auch noch nicht glücklich, da ich nur einigermaßen die Arme heben kann und die Schultern nicht schön sitzen. Auch die Abnäher im vorderen Oberteil, die ich selbst konstruiert habe, um noch mehr Platz für den Busen zu schaffen sind zwar schon besser, als beim ersten Versuch, aber noch weit davon entfernt, perfekt und korrekt auf dem Schnitt übertragen zu sein. Hinten sitzt es ganz gut.



Aber so ist das mit dem Me Made Nähen. Es könnte immer noch besser sein.

Doch eigentlich finde ich ganz wunderbar! Die sprichwörtliche Latte hängt sozusagen bis in den Himmel, ich kann bis zu meinem Lebensende noch mehr lernen immer besser zu nähen und produziere trotzdem zwischendurch schon tragbare Ergebnisse.




Mein neues Hemdblusenkleid ist dank schönem Stoff, roter Paspel, die ich ganz liebreizend finde und Petticoat ein schönes Kleid geworden, auch wenn ich hier und dort etwas zu mäkeln habe. Die Jerseykleider sind für jeden Tag - das hier, das Kleid aus Webware, in dem wochenlange Arbeit und Gehirnschmalz steckt, ist schon etwas Besonderes für mich.

Schnitt: McCalls 4769
Stoff: feine Baumwolle vom Maybachufermarkt - angeblich was Japanisches
Änderungen: FBA und neuer senkrechter Abnäher von der Schulter aus und auch im Rücken und an den Rockteilen Weite zugegeben.
Passform: ok - Arm heben könnte besser sein.
Werde ich noch mal machen: So nicht! Vielleicht nähe ich den Kragen, den ich irgendwann mal gut meistern will und das schwingende Rockteil, das ich sehr schön finde, mal an einen anderen Kleid-Oberteilschnitt, der besser passt, statt weiter an dem Ding rumzuändern, denn das nächste Hemdblusenkleid mit weitem Rock, hätte ich gerne mit 3/4 Ärmeln.


Jetzt wünschen wir Euch einen ganz wunderbaren Sommer - ganz nach Eurem Geschmack; mit heißen Tagen für die leichten Sommerkleidchen, lauen Nächten für gestrickte Jäckchen, Zeit irgendwo das kühle Nass und ein leckeres Eis zu genießen und allem, was Ihr Euch noch so dafür wünscht. Wir sehen uns am 28.8.!

Mittwoch, 19. Juni 2013

Me Made Mittwoch am 19. Juni 2013

Einen wunderschönen sonnigen Mittwoch wünscht Melleni von *talentfreischoen*. Schön, dass Ihr hier seid, zum vorletzten MMM vor der Sommerpause! Die MMM-Crew hat sich beraten und entschieden, dass der Juli und August MMM-frei sein werden. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass sich im Sommer doch eine gewisse MMM-Müdigkeit breitmacht und wir alle nach einer längeren Pause wieder mit Schwung dabei sind.

Noch ist es aber nicht soweit, der heutige Tag verspricht viele schöne Hochsommer-Outfits und in der nächsten Woche lädt uns Meike in ihre gute Stube.

Ich werde heute, wie meist am Mittwoch, bei meinem zweiten Job in der  brandenburgischen Provinz sein und damit weit weg vom ganzen Obama-Besuchs-Zirkus. Ich hätte wenig Lust, in der "aufgerüsteten" Stadt U-Bahn zu fahren. In der Berliner Zeitung war gestern zu lesen, was für ein Logistik-Aufwand betrieben wird, wenn die First Family ins Kino geht reist. Der Wahnsinn.

Zur Sache.

Ich zeige Euch heute mein gestriges Outfit: das soeben im Rahmen unseres diesjährigen Sommer-Nähkränzchens entstandene Wohnkleid aka Vogue 1027. Eine erste Version ist bereits im letzten Jahr entstanden - hier die Lobpreisung - ebenso wie eine verschmälerte Version: das Kleid für echte Frauen.

Meine Begeisterung von damals hat sich gehalten und wurde sogar nochmal gesteigert. Ich finde diesen Schnitt einfach großartig. Seine Vorteile traten gestern - beim ersten Tragen nach der Fertigstellung - klar zutage: Durch den Tellerrock aus Jersey und die angeschnittenen Ärmel ist das Kleid schön luftig. Man ist zu jeder Gelegenheit gut angezogen, es ist sowohl Strand-, Büro-, Spielplatz- als auch Eisdielen-tauglich. Es hat Taschen, und zwar richtig große! Und: solch ein Kleid gibt es praktisch nicht zu kaufen.

Kurz: Wenn ich nur ein Kleid mit in den Urlaub nehmen könnte - ich nähme dieses!

Dabei ist es nicht schwer zu nähen. Einzig der Zuschnitt ist nervig, einen Tellerrock aus Jersey zuzuschneiden verlangt gewisse akrobatische Fähigkeiten und gute Nerven. Erstaunlicherweise verlangt der Schnitt gar nicht so viel Stoff: Mit unter 3 m ist frau dabei.

Was wirklich gegen diesen Schnitt spricht, ist der Preis. Über 27 Dollar ist nun wirklich happig! Kleiner Tip: derzeit befindet er sich - wie öfter mal - im Sale und kann für 3,80 Dollar erstanden werden. Hält man sich zurück und bestellt nicht gleich 10 weitere Schnitte, kommt man mit 15 Dollar shipping auf gute 18 Dollar. Das ist fair(er). So. Ende der Werbepause Beratung.

Und nun das Kleid in ganzer Pracht. Die ersten Bilder sind vom Sonntag, danach ein paar von gestern morgen.



Ist der Stoff nicht der Hammer? Er ist vom Markt und lag hier mindestens schon 2 Jahre rum. Er war immer ein wenig zu schrill. Nun ist klar: Er hat auf dieses Kleid gewartet!

 
 

Und wer bis jetzt durchgehalten hat, erfährt noch welcher Fauxpax mir beim Nähen passiert ist, ein Klassiker, vor dem vermutlich jede Näherin graut: beim allerallerletzten Schnitt eines Fadens habe ich doch tatsächlich ein veritables Loch in das Rückenteil geschnitten. Quelle Malheur!

Mit Lucy entwickelte ich dann eine Strategie zum Stopfen des Loches. Letztlich habe ich mich für folgende "Technik" entschieden:

1. Blüte passgenau aus Reststück ausschneiden.
2. Loch großzügig mit Einlage unterlegen.
3. Ausgeschnittene Blüte mit auswaschbarem Kleber ("Uhu") sowie Nadeln fixieren.
4. Mit kleinem Zickzackstich festnähen, dazu farblich passendes Nähgarn wählen (in diesem Fall: weiß).

Und siehe da: nach einem Probelauf hat es wunderbar geklappt. Hier das Beweisfoto:



Jetzt bin ich gespannt auf Euch!



Mittwoch, 12. Juni 2013

Me made Mittwoch am 12. Juni 2013


Willkommen zum Me made Mittwoch am 12. Juni, zumindest hier in Berlin einer der ersten richtigen Sommertage, und was macht Lucy? Stellt sich im Nordzimmer vor die weiße Wand und macht komische grau-schwarz-weiße Selbstauslöserbilder von sich. Hab ich ja toll hingekriegt – Sommer sieht gemeinhin anders aus. (Das Oberteil (gekauft, ganz ganz dunkles Rot) und die Schuhe (dunkelblau) auch, aber das kommt auf die Entfernung nicht so gut raus.) Der Rock ist gerade fertig geworden, es ist Schnitt 106 aus Burda 5/2012, den ich in der längeren Version schon im letzten Jahr genäht hatte. Dieser Rock erwies sich aufgrund der Farbkombination blau-orange als ein Eigentor des Selbernähens, und dementsprechend selten zog ich ihn an. Ich hoffe in dieser Version in kombinationsfreudigem Blaugrau etwas fabriziert zu haben, das sich an fast alle meine Sommeroberteile anpasst. Die ich in den Untiefen meines Kleiderschranks hinter den langärmeligen Sachen in den nächsten Tagen überhaupt erst einmal ausgraben muss, denn etwas farbenfroher dürfte es schon sein.

Der Schnitt mit der hohen Taille ist vom Tragegefühl her zunächst etwas gewöhnungsbedürftig - meine anderen Röcke hängen alle viel tiefer, und keiner hat so eine Stoffmasse, vor allem im Rückenteil, wie dieser. Durch den steiferen Stoff raschelt er schön und steht ganz von alleine ab - ja, alles ohne Petticoat! 

Dazu trage ich eine Strickjacke nach einem Strickmuster aus dem Netz namens Miette, mit etwas längeren Ärmeln und um zwei Musterrapporte verlängert. Die Jacke ist nicht schlecht, aber das Garn, Cotton light hellgrau von Drops, kann ich nicht empfehlen. Die Materialzusammensetzung halb Baumwolle – halb Mikrofaser ist zwar ganz angenehm und nicht so schwer und ausleiernd wie reine Baumwolle, das Garn besteht aber aus mehreren dünnen, wenig gedrehten Einzelfäden, die an den beanspruchten Stellen leicht aufgescheuert werden. Die Ärmel sehen zum Beispiel schon ziemlich räudig-struppig aus, und das nach erst einem Sommer.


Und nun zur Parade der Selbermacherinnen in ihren selbstgemachten Kleidern - bitte sehr: